Gott geschieht zwischen Liebenden

Trauansprache über Phil 2, 2-4

So erfüllt mir die Freude und seid alle eines Sinnes. Lasst harmonische Liebe unter euch walten; seid einmütig, einträchtig, weder brecht Streit vom Zaun noch seid selbstsüchtig, sondern verhaltet euch so, dass ihr euch selbst nicht an die erste Stelle setzt, sondern haltet den anderen hoch, höher als euch selbst.

Eines Sinnes sein, 

liebe Festgemeinde, das heißt nicht einer Meinung zu sein. Keinesfalls. Sondern setzt eine lebendige Diskussionskultur voraus. Dann die Wahrheit ist immer die Wahrheit zwischen zweien oder mehreren, sie ist der miteinander gefundene Nenner in der Mitte. Im wahrsten Wortsinn will Wahrheit ver-mittelt sein!

Doch ich will nicht das Ende der Predigt gleich vorwegnehmen. Wartet ab!

Ich will mit den Anfängen anfangen.  Eurem Anfang.

Und der war besorgniserregend sprachlos. Bei Helma Ewald hattet Ihr Euch in der WG kennengelernt. Dann anlässlich Karneval wiedergesehen, aber immer noch nicht miteinander gesprochen.

Das Maul habt Ihr erst aufbekommen, als die Luke aufging – also die Tür von der Luke auf war, und Ihr Euch in der Szenenkneipe Auge in Auge gegenüberstandet.

Als das Fass dann aufgemacht war, Stichworte „Schweden“ – „Australien“, da waren die folgenden Stunden voller Worte zwischen Euch, voller Ideen, Visionen, Pläne, Hoffnungen und Vorsätze.

Bei Isabelle mag es in der Hitze der Wüste Australiens und der aussichtlosen Situation gefunkt haben, in der das Du auf der anderen Seite des Globus weilte. 

Bei David war die Sache anlässlich der Begrüßungsparty nach Euer beider Rückkehr 2011 geschnitzt. 

Man könnte sagen, dass ab hier Euer gemeinsamer Weg verläuft.

Erfüllt mir die Freude und seid alle eines Sinnes, schreibt der Apostel, setzt Euch selbst nicht an die erste Stelle, sondern haltet den Anderen hoch, höher als Euch selbst.

Von programmatischer, sinnbildlicher und prägender Art war der Hüttenweg bei Davos. Wechselweise habt Ihr Euch gezogen und geschoben, wart euch gegenseitig Stütze, habt den Anderen in seinem Bedürfnis sich zu erholen, gelten gelassen und Euch gegenseitig motiviert. 

Ihr wart nicht einer Meinung, sondern habt geredet und Eure Wellenlänge gefunden.

Eine kräftige Portion Liebe hat die Worte gelenkt.

Nun sagt der Volksmund, Liebe mache blind. Und so gut es ist, dem Volk aufs Maul zu schauen, um zu verstehen, was wesentlich ist oder wie man einen Sache auf den Begriff bringt. Hier irrt der Volksmund.

Nicht Liebe macht blind. Verliebtsein macht blind. Der Verliebte sieht durch eine rosarote Brille und fiebert seinem Ergänz-mich-Du entgegen.

Liebe dagegen macht sehend !

Eminent sehend sogar.

Du, Isabelle, siehst, dass Du bei David unverstellt die sein kannst, die Du bist. Denn David ist tolerant und nimmt jeden Menschen so wie er ist.  Er hat eine Haltung, durch die er gut Ruhepol in der Beziehung sein kann.

Du schätzt ihn als liebevollen Vater Eurer Kinder.

Aber er steht sich auch manchmal im Weg, weil er alles selbst machen will, besonders das Handwerkliche. Da kann es dauern, bis die Bremse des Kinderwagens repariert ist. 

Denn es ist alles wohl zu überlegen.

Darum ist David auch  ein guter Diskutant.

Du, David, schätzt die Initiativkraft von Isabelle. Du empfindest sie als belebend. Gleichzeitig bewunderst Du ihre Selbständigkeit.

Du hast bei ihr gelernt, dass Liebe durch den Magen geht. Sie kann verführerisch gut kochen. Und hat Seele und Händchen dafür, ein einladendes Zuhause anzubieten.

Aber sie kann auch gleichzeitig beide Ohren zumachen und ist dann durch kein Wort der Vernunft argumentativ zu erreichen. Zugbrücke hoch !

Zum Glück hat sie reichlich Humor und eine ihrer Stärken ist, ihrer Lebensfreude mutig und mitreißend Ausdruck zu verleihen.

So seht ihr beide Euch. Mit Euren jeweiligen Licht- und Schattenseiten und sprecht zu beiden heute und in Zukunft Euer liebendes Ja.

Nun wird uns allen nicht schwerfallen zu verstehen, warum Gott Euch, Eure Ehe und die Familie segnet. Und warum wir diese Zeremonie in seinem Namen feiern.

Wir machen uns oft ein unvollständiges Bild von Gott. Hilflos und anthropomorph.  Ein weiser Mann im Himmel kommt dabei heraus.  

Und von Jesus das Bild, das die vier Evangelisten entwickelt haben: ein wundertätiger Wanderprediger, dem das Reich Gottes am Herzen liegt. Einer, der verstanden hat, dass man sich gewinnt, wenn man sich dreingibt.

Blass dagegen bleibt die Vorstellung vom heiligen Geist. Dabei ist er das Attribut, das uns heute vor Augen führen will: Gott ist Beziehung selbst. Denn Gott ist nicht – er geschieht !

Und zwar zwischen Menschen. Zwischen ihm und Menschen. Er wird dort Wirklichkeit, wo etwas zwischen uns geschieht. So erfindet er sich immer wieder neu. Am liebsten aber zwischen Liebenden. 

Amen