Frieden gesucht – Frieden gefunden

Traueransprache für Heinz Engeln

Jesus spricht: Selig sind, die Frieden stiften,

man wird sie Kinder Gottes nennen

Tatsächlich, Heinz war ein friedlicher und ein friedliebender Mensch. Er erblickte am 10. Februar 1937 in Trier das Licht der Welt. In einer Zeit, die zwei Jahre nach seiner Geburt durch und durch friedlos war. Er blieb das einzige Kind seiner Eltern – seine Mutter war Hausfrau und der Vater Angestellter beim Versorgungsamt  – und stand dementsprechend im Focus von deren Zuwendung.

Verwöhnt darf man ihn trotzdem nicht nennen. Im Gegenteil, ich würde ihn einen stets vernünftig wirtschaftenden, durchaus bescheidenen Menschen nennen. Jemand, der sein Maß kennt. Über die Stränge zu schlagen, das war nicht Heinz Ding. Fast alles in seinem Leben tat er mit Bedacht und in Maßen.

Bedeutsamer noch als damit zufrieden zu sein, was er sich leisten konnte, ist seine moralisch selbstständige Position. Bürgerliche Vorstellungen, wann man eine Frau oder einen Mann zu heiraten habe, waren ihm zum Wohl und zum Glück für seine Kinder fremd! Es komme auf die Liebe an, dass man sich verstehe, betonte er auch seinen Kindern gegenüber. Das gab ihnen Maßstäbe fürs Leben. Was man dagegen tue, weil es sich so gehöre, darüber zeigte sich Heinz in Frieden stiftender Weise erhaben.

Das reichte bis zum Widerspruch gegen die üble Nachrede. Immer schön auf dem Teppich bleiben, immer schön bei der Wahrheit bleiben. Er vermied, Benzin in eine Sache zu gießen und wirkte wieder und wieder mäßigend.

Selig sind, die solches tun, sagt Jesus. Warum? Weil sie der guten Verständigung der Menschen untereinander dienen. Und vielleicht auch, weil sie so das beste für die eigene Seelenruhe tun.

Nicht, dass es zwischen den späteren Eheleuten nicht auch Dispute gab. Immer wieder aber war Heinz es, der dann zuerst die Hand ausstreckte. Das konnte durchaus auch ironisch sein, wenn er zugestand „Ja, du hast Recht“, denn es konnte gleichzeitig das Signal senden „lass mir meine Ruhe“.

Ataraxie, das ist das Wort der alten Philosophen für Seelenruhe. Es ist dem Blick auf Meer entnommen, das gänzlich ohne Wellen ganz friedlich daliegt. Eine ruhige See innerlich zu haben, das war Heinz wichtig.

Konflikte, Wettkampf, das gab es am Bildschirm, beim Fußball. Bei ihm zu Hause waren sie ritualisiert. Gebändigt im häufigen Kartenspiel. Wie auch in seiner weiteren Leidenschaft, dem Kreuzworträtsellösen, ging es ihm auch hier um ein Spiel mit klaren Regeln.

Beim Skat dürfen wir bei ihm fast von einer genetischen Veranlagung sprechen. Denn als der Pauliner Hof noch Kaseler Hof hieß, saßen dort manches mal drei Generationen seiner Familie zum Kartenspiel zusammen. Er, sein Vater und Thomas.

Aber auch in anderen Konstellationen schätze Heinz die Freuden des Kartenspiels. Freitags sah man ihn regelmäßig Skat in der Tennishalle spielen, sonntags wurde in der Familie das Rommee-Blatt ausgeteilt.

Nicht nur Rommee und Skat wurde gespielt, auch Majääsch gehörte in sein Repertoire.

Heinz war ein häuslicher Typ. Seine Familie war ihm ungemein wichtig. Diese war gewachsen seit der Hochzeit 1962. Aber auch in diesem Moment gilt schon, dass die Wahl der Eheleute auf einem viel älteren Fundament steht; einem, das schon in den Kinder- und Jugendjahren mit den Spielgründen zum abgesteckten Gebiet wurde. Denn die späteren Eheleute gingen schon gemeinsam in die Schule und lernten in der Ruwer gemeinsam das Schwimmen, dort, wo Ruwer und Mühlgraben an der Ritsch bei der Karlsmühle zum Baden einladen.

Im Grunde ist das Fundament von Euch beiden nicht eine Ehe lang, sondern in Wirklichkeit ein ganzes Leben voll gemeinsamer Eindrücke und gemeinsamer Erfahrungen.

Nach der Schule erlernte Heinz das Handwerk des Kraftfahrzeugschlossers bei MAN. Anschließend verdiente er sein Geld in einer Übergangszeit als Ausfahrer eines Elektrogeschäftes. Damals galt es schon, eine junge Familie zu ernähren. Die Eheleute lebten in der Bahnhofstraße. In dieser Zeit wurden zwei Kinder geboren, 1963 Christian und 1964 Heike. Mit dem Wachstum der Familie wurden die Wohnungen angepasst. Die nächste Station war die Feldstraße. Jetzt kam Sohn Thomas 1967 dazu. In dieser Zeit suchte die Familie Erholung in einem Schrebergarten, den man angemietet hatte. Der Arbeitgeber Gondert hatte sein Gelände ebenfalls in der Feldstraße. Heinz war zuständig für die Technik des Fuhrparks. Noch einmal wurde die Wohnung zu klein. Man fand die richtige nun in der Speestraße. Und auch die richtige Arbeit, nämlich im Ausbesserungswerk bei der Bahn in Euren.

Schwieriger wurde es mit dem Arbeitsplatz in Burbach. Verbunden war er mit frühem Aufstehen. Die Sehnsucht nach einem verlässlichen Ruhepol war geweckt und wurde 1980 mit einem eigenen Haus und Garten hier in Kasel im Brühlweg 3 gestillt.

Abermals bestätigte sich, dass für Heinz alles ein Maß haben muss. Für jedes Kind ein Zimmer, das war das richtige. Der Garten musste überschaubar bleiben, damit auch die Arbeit in ihm maßvoll blieb. Denn der Garten sollte Erholung schenken und Raum genug die Kinder bieten und ihm Zeit fürs Kartenspiel lassen.

Die anderen Pausen, ohne die sein Leben undenkbar wäre, waren nur Minuten lang und spielten sich auf dem Bänkchen vor dem Haus ab, um genau zu sein, sie dauerten mehrmals am Tag genau eine Zigarettenlänge.

Ohne diese Rituale und ihren Rhythmus ist Heinz für mich nicht vorstellbar.

Im Vorbeigehen bot sich dort das Gespräch über die Rosenbeete an.

Immer blieb er sich treu. Beschwichtigend, mäßigend, unaufgeregt. Ein Mann des Maßes und des Friedens eben.

Er war offen, einladend und unvoreingenommen. Im Kreis der Familie und der Freunde schätzte man seinen Humor.

Heinz war ein hilfsbereiter Mensch. Er war handwerklich geschickt. Und es lässt sich nicht zählen, bei wie vielen Nachbarn und Freunden er im Haus Hand angelegt hat.

Die sind dankbar dafür, dass er ein herzensguter Mensch war.

Die Familie weiß ihn zu schätzen als jemanden, der immer für die Kinder da war. Der im entscheidenden Moment ein weiterführendes Wort zu sprechen wusste, der den Horizont zu öffnen verstand und letztlich für Zufriedenheit, ja Frieden eben sorgte.

Die werden Gottes Kinder genannt werden, sagte Jesus. Ein Kind Gottes zu sein bedeutet, nie aus seiner Hand fallen zu können. Hier im Leben nicht, aber auch darüber hinaus nicht. Heinz Körper lebt nicht mehr. Aber Heinz bleibt vor Gott lebendig. Als eines seiner Kinder lässt Gott seine Hand nicht von ihm, lässt ihn nicht los!

Darauf dürfen wir vertrauen und darum unsererseits loslassen, was wir nicht halten können.

Bleiben aber wird Heinz, der Ehemann, der eigentlich Zeit unseres Lebens zur Seite stand, bleiben wird im Herzen der Vater, der den Frieden gelebt hat.

Seine organische Zeit war um. 

Und für uns, die Hinterbliebenen gilt: Wer liebt, kann lassen.

Amen