Kirche unterwegs

Ansprache anlässlich der Andacht

wandernde Synodale

12. Juni 2021, Grünhaus

Hier ist mein Heimatrevier. Wenn Sie sich umschauen, dann bin ich hier überall schon mit meiner Frau und unserem Hund spazieren gegangen. 

Oft schon hat sich dabei zu Beginn unserer Gänge folgender Disput ereignet. „Lass uns heute mal einen neuen Weg ausprobieren, eine Verbindung, die wir noch nie gegangen sind!“ 

„Du weißt, Hunde sind Gewohnheitstiere, für sie ist es am besten, wenn sie die Strecke kennen“ 

„Ich selbst fühle mich aber lebendiger, wenn ich etwas erforschen, etwas neues entdecken kann“ 

„Wir gehen jetzt den und den Weg, da wissen wir, wie lange er dauert, ich muss dann und dann auf der Arbeit sein“.

Und damit ist die Entscheidung einmal mehr gefallen. Wer jetzt welchen Part zu sprechen pflegt, diese Einschätzung überlasse ich Ihnen.

Auch als Kirche sind wir unterwegs. Heute physisch. Aber mit unserem synodalen Auftrag im geistlichen Sinn. Sind wir mehr die Gewohnheitstiere oder die Experimentierfreudigen? Ist der klassische Gottesdienst und für uns als Protestanten darin wiederum die Predigt das Wichtigste oder wollen wir nachhaltig Jugend gewinnen, uns auf ihre Sprache und Methodik einlassen und probieren dementsprechend mit unseren Angeboten Neues aus?

Vielleicht beginnen wir mit unseren Vorhaben am besten nicht mitten auf dem Wege, sondern mit einer Packliste. Ich bin ein großer Freund von Packlisten. Mit jeder Reise ebenso wie mit jedem Buch über das Zielland verändert sich meine Packliste. Sie ist selbst so etwas wie ein Organismus, der sich optimiert.

Als Kirche unterwegs durch die Zeit hat sie sich und haben wir sie entwickelt. Aus den Trümmern protestantischen Bildersturms ist eine eigene Kultur der Musik erstanden. Ohne die Kompositionen von Johann Sebastian Bach (Trompete wird aus dem Rucksack gezogen) ließe sich evangelische Kirche heute ebenso wenig definieren, wie die Liedtexte Martin Luthers und Paul Gerhardts umgekehrt dem Glauben in den Sattel der Sprache geholfen haben.

Wenn unsere katholische Schwesterkirche neben die biblischen Fundamente ihre „Tradition“ als gleichgewichtig daneben stellt, so haben wir doch dieses Konvolut der Bekenntnisschriften (Bekenntnisschriften), welches für uns der Grundstein unseres Anspruchs und Selbstverständnisses ist.

Und dann haben wir noch den Kuchen. Jawohl den Kuchen als Zement unserer sozialen Zusammenkünfte (Coppenrath und Wiese – Karton). Den Kuchen der Frauenhilfe, den Kuchen anlässlich der Geburtstagsfeiern für unsere Senioren, den Kuchen für den geselligen Nachmittag und den fürs Gemeindefest. Er wird mit Kaffee angerührt und ist das Bindemittel für Gesprächskreise, Seniorenclubs und normaler Weise der Schlusspunkt des synodalen Mittagessens.

Diese drei mögen als Beispiele unseres alltäglichen und kulturell gewachsenen Gepäcks dienen. 

In herausfordernden Zeiten wie diesen stellt sich die Frage nach dem Wesentlichen. Es geht darum, leichtes Gepäck in schweren Zeiten zu schultern.

Genügt in Übergangszeiten nicht so ein kleiner Rucksack? (kleiner Rucksack)

Hinein gehört etwas, das uns stärkt (Kelch)

hinein gehört ein Hilfsmittel zur Orientierung (Bibel und Landkarte)

hinein gehört das Wort, das als Rückmeldung, als dialogischer Prozess unsere Gemeinschaft lebendig macht (Handy).

Orientierung, Stärkung und Dialog auf Augenhöhe,

diese drei möchte ich uns heute als mögliche Stichpunkte mit auf den Weg geben, wenn wir über Kirche vor, in und nach der Pandemie nachdenken. Wenn wir darüber sprechen, was Kirche ausmacht.

Vielleicht mögen Sie dieses leichte Gepäck schultern und es unterwegs als nützlich empfinden.

Vielleicht aber geht es Ihnen wie mir auf meinen Reisen, dass die Packliste sich evolutionär verändert. Wir werden es hören. In diesem Sinne gute Gespräche. Amen