gehalten

Traueransprache für

Wolfgang Ströher

über

Ps 73, 23.24.

Nun aber bleibe ich auf immer bei Dir. Du hast mich an meiner rechten Hand ergriffen. Nach Deinem Ratschluss wirst Du mich leiten und am Ende nimmst Du mich auf in die Herrlichkeit.

Zu Gott zu gehören, hat etwas ungemein Tröstliches. Der Konfirmationsspruch Wolfgangs nimmt das Bild von Mutter und Kind auf. Wenn ein kleiner Mensch nicht mehr weiter weiß, dann hilft es, seine Hand zu nehmen und das Kind zu führen. So einfach kann das für eine souveräne Kraft sein. 

Gott ist erst recht gefragt, wenn wir ganz und gar ohnmächtig, nämlich gestorben sind, dann unsere Hand nicht zu lassen sondern dahin zu führen, wo es gut für uns ist.

Zu unseren Lebzeiten kann so etwas auch durch die Hand von Freunden oder die der Eltern geschehen, so kann Gott in unserem Leben erlebbar sein, dass Eltern unser Leben so bahnen, dass wir vor Schaden bewahrt werden, dass wir diese elterliche Leitung als wohltuend erleben. So war das im Leben von Wolfgang.

Am 11. Dezember 1938 in Traben geboren, wuchs er dort auf, besuchte die Grundschule und dann in Traben Trarbach das Gymnasium. Dass er sein Abitur aber am Gymnasium von Zell absolvierte, diesen Wechsel verdankte Wolfgang der Aufmerksamkeit seiner Eltern. Entschieden hielten sie Schaden von ihrem Sohn fern, nahmen ihn gleichsam an seiner rechten Hand und schulten ihn um. Sie wissen warum. Und auch er dankte rückblickend für Sensibilität und Durchsetzungsfähigkeit seiner Eltern.

Eben diese Erfahrung von aufmerksamer Geborgenheit hat ihn später auch als Vater geleitet. 1961 hatten Sie, Helga, und er in Trarbach geheiratet. „Was macht einen Menschen glücklich?“ dieser Frage ging er als Vater von Ihnen beiden, Michael, geb. 1962 und Kerstin, geb. 1967 nach. Und die Antwort kennen Sie: er folgte der Maxime, fördere die Interessen Deiner Schützlinge, ermutige sie, lass sie in die Zukunft schauen, denn genau dieses Land von morgen gehört ihnen, wenn sie sich darin verwirklichen können.

Das ist so hilfreich anders als viele andere Eltern ihre Kinder leiten. Sie folgen ihren Interessen und ihrem Ehrgeiz.

Wolfgang dagegen sah von sich selbst ab. Nun ist ihm das nicht schwer gefallen. Denn er war von Natur aus ein Mensch, der von sich nicht viel Aufhebens machte. Einmal im Jahr die nötige Kleidung besorgt, das spricht eine klare Sprache gegen jeden Verdacht von Eitelkeit. Darstellung war ihm unwichtig.

Wichtig dagegen war ihm, seinen Prinzipien folgen zu können. In dieser Hinsicht war er sehr strukturiert. Ja, vielleicht war sogar der Kleidungskauf ein feststehender Eintrag in seinem Kalender.

In anderen Dingen dagegen war er sehr offen und visionär. Menschen und ihrem Verhalten gegenüber war er tolerant, sah das Herz, der betrieblichen Entwicklung sah er mit optimistischer Freude entgegen und arbeitete genau einer solchen glänzenden Zukunft in die Hand. In menschlichen wie beruflichen Dingen können wir ihn einen Optimisten nennen.

Er dachte das Gute von den anderen.

Und selbst verhielt er sich ihnen gegenüber fair, gerecht und immer großzügig. Gern zu geben, das war ebenfalls eine seiner Tugenden.

Anzunehmen dagegen, das fiel ihm etwas schwerer. In Umkehrung der Volksweisheit „geben ist seliger denn nehmen“ möchte ich vorsichtig zu bedenken geben, dass auch nehmen zu können eine Persönlichkeitsfrage ist. Vielleicht gehört es zum Licht von Wolfgangs positiven Charakterzügen, dass auf der Schattenseite die Befürchtung lag, in irgendjemandes Schuld zu stehen.

Nach den Jahren der Ausbildung in Bernkastel, den ersten Arbeitsplätzen in Mainz, dann in Frankfurt, Oberroden, Mannheim kam 1969 die Zeit in Luxembourg, die genau dieses freie Feld für eine aufzubauenden Zukunft anbot. Eine Generation lang, 30 Jahre, gestaltete Wolfgang an verantwortlicher Stelle die Entwicklung und Blühte der Deutschen Bank an diesem Standort.

Kurz nach Einführung des Euro verabschiedete er sich in den Ruhestand. Noch einmal eine halbe Generation lang war Ihnen beiden ein erfülltes Leben, Reisen auf den Spuren anderer Kulturen und ein Alltag begleitet durch ein angenehmes Kunstprogramm beschieden.

Dann warf die Krankheit ab 2014 ihre Schatten voraus. Zunächst kaum wahrzunehmen, dann zunehmende Unruhe und hörbarere Sprachstörungen.

So gut oder so belastend es auch verlief, im Grunde ist Wolfgang nun an der Demenz verstorben.

Er ist aus der Welt gegangen, für die ihm mehr und mehr die Begriffe fehlten.

Darum ist das Vertrauen in den festen Griff Gottes so wichtig. Auch wenn wir körperlich sterben, gehen wir nicht verloren. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in dieser Gewissheit Wolfgang seinem Schöpfer zurückgeben können.

Ich bin mir gewiss: jeder Mensch ist ein guter Gedanke Gottes; und als solcher bleiben wir, die Sterblichen, vor ihm, dem Ewigen, lebendig.

Lassen Sie sich trösten, dass mit uns auch Wolfgang fest zu Gott gehört. Er nicht aus seiner Hand fällt; im Gegenteil, dass sein Konfirmationsspruch genau jetzt Wahrheit ist und wird und Wolfgang erlebt: und am Ende nimmst Du mich auf in Herrlichkeit.

Amen.