Vom Anklopfen und Eintreten

Traueransprache für Andreas Schmeißer

27. 04. 2020 zu Mesenich

über Mt 7, 7

Bittet, so wird euch gegeben. Sucht, so werdet ihr finden. Klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn jeder, der bittet, empfängt, und jeder der sucht, der findet, und jedem, der anklopft, dem wird aufgetan.

Ein ermutigendes Wort. Denn es spricht sein: Denke positiv und versuch es! Unser Volksmund hat dafür den Satz geprägt: Wer nicht fragt, hat das nein schon.

Für alle unsere Unternehmungen haben wir Menschen nur eine bestimmte Zeit. Im Rückblick verstehen wir oft, warum eine Phase gelungen ist oder warum sie nur Phase blieb. Im Rückblick allein ist es oft möglich, den Sinn und die Zusammenhänge zu verstehen. Vor der Zeit benötigen wir eben den mutigen Impuls, um eine Sache anzugehen, ein Wagnis einzugehen. Es bedarf der visionären Fantasie und auch des Willens.

Am 14. Mai 1968 in Osterrode als zweites Kind seiner Eltern geboren, lernte Andreas diese Lektion schon früh. Er blickte schon als Jugendlicher auf die Phase zurück, in der die Eltern Autobahntankstellen betrieben, dann wieder einem anderen Broterwerb nachgingen, auch als Fabrikarbeiter ernährte Andreas Vater seine ältere Schwester, ihn und die Mutter.

Die Erinnerung an seine eigenen Unternehmen beglückten ihn, wenn er an die Fahrradtouren hinein in Erfahrung und ins Erwachsenwerden zurückdachte. An die verwegene Tour von Niedersachsen bis nach Sylt. „Und an meinem 15 Geburtstag ging das Leben los!“, erzählte er gern und lebte die Mofafahrten gemeinsam mit seinem ältesten Freund Christian noch einmal durch.

Natürlich dachte er auch gern an die Familienurlaube nach Frankreich und nach Dänemark. Doch die Fahrten auf eigener Achse, die hatten es ihm von früh auf angetan. Sie blieben so etwas wie der Cantus firmus in seinem Leben. Auf dem Rad wurde ein Mofa, aus dem Mofa ein Motorrad.

Inzwischen hatte Andreas seine Ausbildung als Industriekaufmann abgeschlossen, verdiente seinen ersten Taler. Inzwischen hatte er 1995 das erste mal geheiratet. Und aus dem Paar wurde eine Familie als 1996 Fabian und 1998 Simon dazu kamen. Doch die Liebe zum Zweirad blieb.

Die beruflichen Phasen wechselten wieder. Andreas arbeitete im Holzhandel und machte sich mit einem Autoteilezubehörgeschäft selbständig. Die Firma hatte keinen Bestand und über der Anspannung ging auch die Ehe in die Brüche. Doch aus dem Motorradfahren war ein generationsverbindendes Hobby geworden. Aus der kleinen Tour mit 15 war der Tourenurlaub in Tschechien geworden, mit Grill und Grillgut, mit Lebensmitteln beladene Anhänger begleiteten als Tross die Biker unterschiedlichen Alters.

Um das Todesjahr von Andreas Vater änderte sich für sein Leben einiges. Er suchte, und er fand. Denn er hatte Arbeit in Trier bei JTI gefunden. Dort war er zuletzt für die Zölle des Tabakimports zuständig. Seine Kolleginnen und Kollegen schätzten in ihm den ruhigen, gelassenen Mitarbeiter. Andreas war kein Mensch, der sich in den Vordergrund spielen muss. Er wusste um seine Kompetenz und brachte sie in seiner freundlichen Art an der richtigen Stelle ein. Das Kollegium schätzte ihn als einen „angenehmen Zeitgenossen“. 

Ja, er kam nach Trier und suchte und fand.

Auch Tino fand er, der sich aus der Schar der anderen Mitarbeiter als Freund schälte.

Andreas klopfte an der Mosel an, um eine neue Lebensphase zu beginnen. Und ihm wurde aufgetan: nicht zuletzt von Ihnen, Frau Nosbisch und Ihren Kindern Tim und Kristina. Es wurde gleichsam eine Tür in ein erweitertes Familienleben aufgetan. Denn nach 1.5 Jahren Leben in nachbarschaftlicher Nähe zog Andreas tatsächlich bei Ihnen ein. Es war der richtige Schritt und er beschenkte beide Seiten. Die gemeinsame Wellenlänge führte zu gemeinsamen Urlaubszielen in Österreich und immer wieder in Frankreich. Die gemeinsame Wellenlänge ließ sie über dieselben Dinge lachen. Andreas war humorvoll schon bei kleinen Dingen. Er konnte sich einlassen und spielte mit Tim und Kristina deren Spiele. Er war hilfsbereit, ich denke da an die Zubringerfahrt zum Ferienflieger und an sein Engagement als Tanzdummy. 

Für sich selbst benötigte er nicht viel. Es genügte ihm zu seiner Entspannung im Garten zu sitzen und der Natur zuzuschauen. Oder er schwang sich in den Sattel und legte zum Sound der Maschine Abstand zwischen die Arbeit und sich selbst.

Tu es, habe den Mut, lehren uns die Worte Jesu.

Es kommt nicht auf die Anzahl der Jahre an, sondern auf die Qualität, mit der wir sie gefüllt haben.

Andreas hat dies ganz bewusst getan. Im Spannungsbogen seiner liebevollen Zuwendung einerseits, seines gelassenen Selbstbwußtseins und seiner Willensstärke andererseits ist er ein guter Vater, ein guter Partner, ein willkommener Kollege und immer wieder ein verlässlicher Freund gewesen.

Darum haben Sie für ihn den vielleicht schönsten Spruch in die Anzeige gesetzt, dass es nämlich die Gedanken an ihn sind, die ein Lächeln ins Gesicht derer zaubern, die sich seiner erinnern.

So soll es bleiben, wenn sie auch nach Jahren seiner gedenken. Denn Andreas ging früh. Viele würden sagen: zu früh. Doch genau das will der biblische Rat nicht thematisieren, weil er vom Mut für heute, von der Idee, die eben jetzt verwirklicht werden möchte, vom Impuls, der zueinander führt, sprechen möchte. Jesus redet vom Anklopfen und Eintreten.

Und damit mit er auch die Zeit jenseits unserer irdischen Tage, denn jeder Mensch ist ein guter Gedanke Gottes. Und als solcher, als sein Gedanke, bleiben wir die Sterblichen vor ihm, dem Ewigen, lebendig.

Es ist vielleicht nicht nötig, dass wir das sogleich verstehen. Wichtig ist, dass wir das Lächeln nicht verlernen, wenn wir an Andreas und seine Gaben denken. Denn dieses Lächeln ist ein Abbild der Freude Gottes über ihn.

Und diese Freude, diese leuchtende Annahme, die spüre Andreas nun und in Ewigkeit, wenn er auf den zugeht, von dem er hergekommen ist.

Ihr aber habt die Fassung und das Vertrauen in die Wahrheit, dass kein Mensch vor Gott verloren geht; und dass wir einen lieben Menschen, wie Andreas, getrost auf Gott hin loslassen dürfen.

Amen.