Jesu Auftrag gefolgt

Traueransprache über Mt 6, 21

für

Emma Ken, geb. Fuchs

17. Januar 2020, Pfalzel

Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz

Ein Wort Jesu, das über dem Leben und der Würdigung von Emma Ken stehen soll. Dieser Bibelvers war schon der Konfirmationsspruch ihrer Mutter, den diese 1907 zugesprochen bekam.

Es ist ein wichtiges Wort für unser eigenes Leben, denn es stimmt, woran wir unser Herz hängen, das bestimmt auch unser Leben. Hängen wir es an irdische Güter, an Besitz, dann werden wir ängstlich und fürchten den Verlust, sammeln wir Schätze im Himmel, dann führen wir ein freies und im Sinne Gottes glückliches Leben.

Dieser Rat Jesu steht gleichsam als Überschrift über dem Leben von Emma. Und wir werden sehen, dass dies ein zutreffender Satz ist.

Emma Fuchs wurde am 07. November 1923 Ersary in Turkmenistan geboren. Das ist jetzt fast ein Jahrhundert her. Das bedeutet, dass Gott ihr weit mehr an Jahren geschenkt hat, als es die Bibel für normal hält. Im Psalter heißt es, das Leben währet siebzig, wenn´s hoch kommt, so sind´s achtzig Jahre. Emma waren 97 vergönnt. Das ist allein ein Reichtum, für den wir zu danken haben.

Reich war die Familie auch an Kindern, Emma hatte fünf Geschwister. Zu ihrer Schwester Natalja, verheiratete Grimm hielt sie ein Leben lang regen Kontakt. Das gelang durch die Wirren des Krieges nicht zu allen Schwestern und Brüdern. Wir dürfen nicht vergessen, dass Emma eine Zeitzeugin eines bewegten Jahrhunderts ist. Fast noch in der Zarenzeit geboren, sprach sie zunächst in der deutschen Enklave mit allen deutsch. Die Sowjetunion begann 1917 und erstarkte 1922. Mit Stalin wurde Russisch Pflichtsprache. Das erlebte die zehnjährige Emma, als sie mit ihrer Familie nach Bayram-Ali zog, eine Landstadt nicht mehr weit weg von der Grenze zum Iran. Der Vater war Schmied und hatte in der Stadt gute Arbeit. Ab diesem Zeitpunkt musste auch Emma in der Schule Russisch sprechen, bzw. es lernen.

Abermals das Schicksal vieler hunderttausend Deutschstämmiger erlitt sie mit der Mehrzahl ihrer Geschwister, als Nazideutschland die Sowjetunion überfallen hatte und die Russen die deutsche Minderheit nach Sibirien befahl. Emma Fuchs kam 1943 nach Tscheljabinsk, genauer nach Korkino, einem 25 km südlich gelegenen Ort.

In dieser Phase lernte sie Paul Ken kennen und lieben. Die beiden heirateten 1947. Ihnen wurden in den folgenden Jahren die Kinder

  • 1948 Lilli
  • 1949 Anna
  • 1952 Paul
  • 1954 Viktor

geschenkt.

Als Viktor ein Jahr alt war, zog die Familie nach Turkmenistan zurück.

Emma arbeitete zunächst als Hausfrau, 1962, als ihr Jüngster bereits in die Schule ging, begann sie als Küchenhilfe und wurde bald Köchin in der Kantine einer großen Steinfabrik.

In dieser blieb sie bis zum Eintritt in die Rente 1978.

15 Jahre später ging sie noch einmal einen großen Schritt. In der Mitte ihrer Familie siedelte sie, abermals im Strom mit hunderttausenden von Landsleuten, nach Deutschland um. Die erste Station war die Klostermühle zwischen Lorscheid und Herl. Dann folgte Pfalzel.

Hier durfte Emma noch einmal fast eine Generation lang leben. Die Zeit von 1993 – 2020, also fast 27 Jahre. Jahre, die sie in aller Bescheidenheit verbrachte. Sie war geborgen in der Mitte ihrer Familie, lebte bei ihrem jüngsten Sohn und ihrer Schwiegermutter. Und sie gab umgekehrt die Geborgenheit, die eben eine Mutter gibt, die das Leben von Kindern und Geschwistern begleitet, die die großen Stunden miterlebt und die sie teilt.

Dazu gehörte bei ihr vor allem der Stolz über Enkel.

Besondere Zeiten waren für sie die gemeinsamen Urlaube. Unvergessen ist der in Spanien, in den sie mit Sohn, Schwiegertochter, Enkeln und ihrer Schwester Natalja reiste.

„Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz“. Emmas Herz schlug für ihre Familie. Das ist ein Leben im Sinne Gottes. Denn unser Gott, Vater – Sohn und – Heiliger Geist ist die „Beziehung höchstpersönlich“. Emma ging es um Beziehungen. Sie nahm Anteil am Leben der Ihren.

Für sich selbst stellte sie keine Ansprüche. Diese Bescheidenheit hatte sie in einem Leben voller Entbehrungen gelernt.  Eine manchmal bittere Erfahrung, die ihr half, ihr Geschick und nun im Alter auch ihre Krankheiten anzunehmen. Das ist klug im Umgang mit sich selbst. Das machte aber vor allem den Umgang mit ihr einfach.

Als sie die 80 überschritten hatte, musste sie in die Wohngemeinschaft mit Sohn und Schwiegertochter aufgenommen werden. Auch in dieser Phase blieb sie die zufriedene Frau, die dankbar für jede Art von Zuwendung und Aufmerksamkeit war.

In ihren letzten Tagen schloss sich der Kreis, sie kehrte in Gedanken ganz an den Anfang ihres Lebens zurück, ihre Mutter war ihr wieder gegenwärtiger und sie erlebte ihre Kindertage noch einmal.

In gewisser Weise hat sie so Kontakt zu denen aufgenommen, die vor ihr gegangen sind.

Für uns ist wichtig, dass sie zu ihrem Schöpfer zurückkehrt. Denn vor ihm bleiben alle seine Kinder lebendig.

In das Licht seiner hellen Liebe wollen wir Emma entlassen. Uns bleibt die Erinnerung an eine bescheidene Frau, die ihr Leben im Sinne der Worte Jesu geführt hat, die ihr Herz an Menschen hängte und sich nicht dem Besitz verschrieb. Wir dürfen sicher sein, dass sie einen Schatz im Himmel gesammelt hatte und nun dort Frieden in Ewigkeit hat.

Amen