Die vier im Ballon

Ansprache Ballontaufe, 16.08.2019

Föhren, Flugfeld, anlässlich der Moselballonfiesta

Matthias  J e n s

Ich heiße nicht Johannes – bin aber der Täufer dieser vier flammneuen Ballone. Ein Ereignis, das wir mit Ihnen, den Crews, dem freundlichen Veranstalter, den Stiftern und Ihnen allen aus dem Publikum feiern möchten.

Darum beginne ich gleich mit der Publikumsfrage: Wie hieß das erste Trier im Weltraum?

Ja, es ist die zweijährige Mischlingshündin „Leica“ gewesen, die gleichzeitig mit ihrer Mission im Sputnik 1957 zu Weltruhm und einem schrecklichen Tod verurteilt wurde.

„Leica“ ist also das erste Tier im Weltraum.

180 Jahre vorher war es in der Ballonfahrt ähnlich. Menschen hatten sich überlegt, dass es mit dem Fliegen möglich sein müsste. Joseph Michel und Jaques Etienne Montgolfier hatten beobachtet, dass Papier- und Leinensäcke über einem Feuer zu schweben beginnen. Einen Sack aus Papier und Leinen ließen sie erfolgreich im Juni 1783 in eine Höhe von fast 2.000m aufsteigen.

Nun hörte König Ludwig XVI davon und wollte sich das Experiment vorführen lassen. Lebendige Passagiere mussten her. Und schon damals griff der Mensch zu Tieren in seiner Nähe. War es 1957 ein Hund, so waren es fünfzehn Jahre vor der Revolution den Franzosen ihre greifbaren Tiere aus der Landwirtschaft: ein Hahn, ein Hammel und eine Ente.

Ich erzähle allen Ballonfahrern nichts neues, wenn ich an die erste bemannte Ballonfahrt erinnere. Sie begann im Vorhof von Versailles. Der König und seine ganze Familie waren anwesend. Auch mehrere tausend Adlige. Und natürlich das Volk, das sich aus Paris und dem Umfeld der Stadt eingefunden hatte.

Gleich nach dem Start ging der König in sein Schlafgemach und beobachtete durch ein Fernrohr den Flug. Der dauerte 8 Minuten und führte immerhin über 1.800 Faden in nordöstliche Richtung (1.800 x 1,62 = 2.916m) also fast 3km.

Die Schwester des Königs aber, die neunzehnjährige Elisabeth setzte sich aufs Pferd und galoppierte hinterher.

Als sie am Waldrand ankommt, wo dem Ballon die Puste ausgegangen ist, grast der Hammel schon friedlich, die Ente ist wohlauf, nur der Hahn hat einen ramponierten Flügel. Der Hammel soll sich bei der Landung auf ihn niedergesetzt haben. Elisabeth verarztet das Tier. Sie ist diejenige, die einen Musterbauernhof bei Versailles aufbauen wird – und alle drei Tiere erhalten lebenslanges Gnadenbrot bei ihr.

Da haben wir nun vier Tiere zusammen, den Hund, den Hammel, den Hahn und die Ente. Denn vier Flugpioniere brauchen wir heute, weil sie bei den vier einzuweihenden Ballonen Paten stehen möchten.

Vielleicht denkt auch jemand bei der Vier-Zahl an die vier Elemente. Feuer, Wasser, Luft und Erde, sie stehen schon Jahrhunderte vor unseren Pionieren für die Erde schlechthin. Für jedes Element ein Strich gemacht und zu einem Quadrat zusammengezeichnet haben wir das alchemistische Zeichen für Erde. Nun wollen diese vier Ballone nicht auf der Erde bleiben, sondern ihr Zweck ist die Luftfahrt darüber. Für den Himmel hatte dieselbe alte Formensprache den Kreis bereit. Denn der Kreis steht für Unendlichkeit, eben den Himmel und auch für Gott.

Der Übergang zwischen beidem, zwischen Erde und Himmel, zwischen Quadrat und Kreis ist das Achteck. Es ist das Zeichen unseres heutigen Initiationsfestes. Es ist das Zeichen für Taufe. Sie wissen wahrscheinlich, dass die alten Taufkapellen alle einen achteckigen Grundriss haben. Das bekannteste Oktagon ist das Baptisterium von Florenz auf dem Domplatz.

Nun hat fast alles für diesen Festakt seine Ordnung. Nur die Zuordnung der Pioniertiere zu den einzelnen jungfräulichen Fluggeräten fehlt noch. Und tatsächlich für jeden Ballon hier möchte eines der Tiere Maskottchen sein:

  • Der Hammelist wie die Ziege im chinesischen Tierkreiszeichen bekannt für sein Mitgefühl. Er gilt als warmherziges Tier. Das steht auch für die Aufgabe der „Caritas“, die sich das Wohl des bedürftigen Menschen zur Aufgabe gesetzt hat.
  • der Hahnzeigt sich in ganzer Pracht. Er zieht die Aufermerksamkeit auf sich und ist auf Respekt der anderen bedacht. Er ist ein verlässlicher Gastgeber und Hofherr. Er ist das geborene Maskottchen für die Organisatoren von Gästebetten und die öffentlichkeitswirksame Schutzherrin des traditionellen Riesling. Der Hahn steigt in den Korb der „römischen Weinstraße“.
  • Wer würde nicht intuitiv wissen, dass der Hundfür die Treue steht. Heute sogar für die Kundentreue. Der Hund ist ein sympathischer Charakter, hat darum viele Follower. Ihm liegt am Wohl seines Rudels. Er ist loyal. Wenn er sprechen könnte, würden wir ihn oft sagen hören: „Bitte ein Bit“.
  • Die Entekommt im chinesischen Tierkreiszeichen nicht vor. Die Schamanen haben sich ihrer angenommen. Diese verstehen sie als ein Wesen, das Kräfte zu geben versteht. Die Ente hilft also aufzuladen, bei sich anzukommen und sie lässt schädliche Energie wie Wasser abperlen. Das erleben wir im eigenen Zuhause, dort kommen wir wieder zu uns und zu Kräften. Logisch, dass dieses Geflügel das Maskottchen für das „Streifhaus“ sein möchte.

Vielleicht haben Sie beim Zuhören schon gemerkt, dass zwei dieser Tiere von sich aus fliegen können. Nun aber gilt für das gesamte Kleeblatt aller vier Ballone, das in ihren Körben nicht nur die Tiere, sondern auch die menschlichen Passagiere allzeit eine glückliche Fahrt haben sollen. Darauf stoßen gleich die Crews an und die Ballone werden getauft mit einem kräftigen:

„Mit Glück Ab – Und Gut Land!“

Zum Schluss darf ich ihre Aufmerksamkeit noch auf das seltsame Taufgeschirr am Ballon der „römischen Weinstraße“ lenken. Da stehen doch glatt eine Tüte Milch gleichwertig neben dem Rieslingsekt. Und beide haben ihren Platz auf einer Wage gefunden. 

  • Die Wage der Justitia ist das Symbol dafür, dass Frau Rechtsanwältin  Weides Mitsponsorin dieses Fluggerätes ist. 
  • Und die Milch, die die Crew zusammen mit Sekt trinken wird, ist Milch vom „Engelshof“, also im Grunde einem weiteren Tier auf unserer fröhlichen Farm, denn der Engelshof ist ebenfalls Mitsponsor an diesem Luftfahrzeug. Nun dann ein lautes „Muh!“ und ein frohes „Prosit!“