vergnügt – erlöst – befreit Konfirmation 2017

„Die Zeit rinnt mir durch die Finger“, Sie kennen diese Bildrede. Ich meine mit ihr heute nicht das Zeitfenster für diese Predigt, in der ich etwa soviel sagen möchte, dass es das Maß Ihrer Geduld überstiege. Nein, ich meine heute damit nicht weniger als unsere Lebenszeit. Sie ist gemeint mit der fließend-fliehenden Zeit. Eine Metapher, die Zeit und Wasser vergleicht.

Unhaltbar beides. Flüchtig.

 

Es kann Angst machen, dass ich die Zeit nicht festhalten kann. Vom Gegenteil spricht der 31. Psalm. Und darum kann sein Ansatz trösten. „Meine Zeit steht in deinen Händen“. Sie geht genau so wenig verloren wie ich selbst. Kein Ablauf des Haltbarkeitsdatums.

Keine Frist.

Keine Hast.

 

Diese andere Sicht auf die Dinge hat der gläubige Liedermacher und Kabarettist Hanns Dieter Hüsch in seine bekannte Übertragung dieses Psalms gefasst:

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Gott nahm in seine Hände meine Zeit ...“

 

Die drei Adverbien „vergnügt“, „erlöst“, „befreit“ waren das Jahresmotto dieser Konfirmandengruppe, und sie sind am Ende ihrer Zeit Überschrift über diesem Festgottesdienst.

 

„erlöst“ – der Philosoph und Religionskritiker Friedrich Nietzsche stichelte: es fiele ihm leichter an der das Evangelium zu glauben, wenn die Christen erlöster aussähen.

Warum sehen sie denn nicht erlöst aus? Weil sie die Botschaft noch nicht verinnerlicht haben. Darum vielleicht hat Hüsch sie in seine Worte neu gefasst, denn sein Motto lautete: das Schwere, leicht gesagt.

Ja, Leichtigkeit kann einen überkommen, einen heben aus schweren Gedanken, wenn bewusst wird, dass wir – jeder – ein guter Gedanke Gottes sind. Dass wir vor ihm, dem Ewigen, lebendig bleiben. Kein Moment geht verloren. Wider allen Anschein und wider das hektische Ticken der rasenden Atomuhren.

Unsere Zeit ist eingeschrieben in seine Hand. Keiner verlischt in Ewigkeit, darum „erlöst“. Vom Zwang, es selbst richten zu müssen.

 

Lebendig bleiben wir und unsere Zeit vor ihm. Das betrifft alle Zeiten, die guten, wie die schlechten. Der Psalter beschönigt nicht, im Gegenteil, er wird nicht müde beides zu besingen: die Hoffnung in der Not und den Dank nach der Rettung. „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück“, diesen Vers aus dem 23. Psalm kennt fast jeder.

 

Ein wenig erlöster dürft Ihr ruhig aussehen, denn es ist wahr, dass Gott Euch im Auf und Ab des Lebens seine Hand anbietet. Und das haben wir vom KU-Team versucht, Euch nahe zu bringen: Wir beginnen unsere Suche nach Gott als Gefundene!

 

Darum beginnt der Ostersonntagsgottesdienst mit einem Witz. Weil Christen gut Lachen haben.

 

„vergnügt“-Sein ist allerdings nicht das Verb zum Nomen Vergnügen. Das ist „Vergnügen haben“ und bedeutet Spaß. Vergnügt sein dagegen ist eine Haltung. Auf diese reimt sich Humor. Er ist der Vater der Selbstdistanz, die dazu verhilft, dass bei aller Selbstkritik das „Ich Herr im Hause bleiben kann“, wie Sigmund Freud es beschrieben hat.

 

„befreit“, ein Kernwort der Bibel. Handelt sie doch von Befreiung vom Auszug der Kinder Israel an über die Propheten und ihre Worte von der Befreiung von ungerechter Herrschaft bis eben zu Jesus und seinen Heilungswundern, die geschehen, wenn der Mensch von seinen Ängsten, seinem fehlenden Vertrauen, dem sozialen Druck befreit wird.

 

Befreiung war auch eine Triebfeder der Reformation, deren 500 jähriger Initialzündung wir dieses Jahr gedenken. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan“, schrieb Luther in „Die Freiheit eines Christenmenschen“. Und umgekehrt „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Also die Gleichzeitigkeit von Freiheit und Gebundenheit, von Selbstbestimmung und Verantwortung.

Denn genau darum geht es auch hier wie so oft: um den Selbst- , den Welt- und den Gottesbezug.

Wir sind frei vom Zwang uns beweisen zu müssen, frei davon, uns messen lassen zu müssen. Christen müssen sich nicht selbst darstellen. Sie haben in sich genug Applaus und Annahme durch ihren Schöpfer.

Und gerade darum sind wir frei für die Zuwendung zu anderen, für Empathie und Nächstenliebe. Auf Reisen kann man das gut lernen, aber auch hier bei uns sehen: wer keine Angst um seine Habe hat, der ist ein guter Gastgeber. Und er wird umgekehrt beschenkt mit Ehrlichkeit und Menschlichkeit, die man für kein Geld kaufen kann.

Die drei bedingen sich gegenseitig: weil wir befreit sind, können wir zu erlösen helfen und miteinander vergnügt sein.

 

Das Wort „vergnügt“ kommt übrigens in der Bibel wörtlich so gar nicht vor. Doch als der Kämmerer aus dem Morgenland die Botschaft von Jesus verstanden hatte, als in seinem Herzen ankam, was Philippus ihm erzählte, da ließ er sich von ihm taufen. Und dann heißt es. „danach aber zog er seine Straße fröhlich“ (Apg. 8, 39).

Wenn Ihr heute Ja zu Eurer Taufe sagt, Euch konfirmieren lasst, dann mögt Ihr sodann ebenso „wohlgemut“ Eures Lebensweges ziehen.

 

Amen