Sich zum Fest des Lebens einladen lassen

Jesus erzählt ein Gleichnis: „Ein Mann gab einmal ein großes Essen und viele dazu ein. Zum Termin schickte er seinen Knecht und ließ den Geladenen sagen: Kommt, alles ist gerichtet. Da fingen die auf einmal an sich zu entschuldigen. Der erste sagte: ich habe einen Acker gekauft und muss dringend hinaus gehen und ihn mir anschauen. Ich bitte, entschuldige mich. Der nächste sagte: ich habe fünf Joch Ochsen erworben und gehe hin sie in Augenschein zu nehmen. Ich bitte dich, entschuldige mich. Der dritte sagte: ich habe gerade geheiratet, darum kann ich unmöglich kommen. Der Knecht kehrte um und meldete es seinem Herren. Da ward der Herr zornig und sagte zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und bringe die Armen, Krüppel, Blinden und Lahmen herein! Kurz darauf der Knecht: Herr, wie du angeordnet hast, ist es geschehen; aber es ist noch Platz. Da sagte der Herr zu seinem Knecht: Dann geh hinaus auf die Landstraßen und bis an die Gemarkungsgrenzen und nötige sie hereinzukommen, damit mein Haus voll wird. Denn das sage ich euch: von jenen Männern, die eingeladen waren, wird keiner von meinem Mahl zu kosten bekommen.“

Auf meine Frage, warum kommst Du nicht zum Gottesdienst? höre ich oft die Antwort: die ganze Woche muss ich früh aufstehen. Einmal in der Woche möchte ich ausschlafen. Die ganze Woche sehne ich mich danach. Oder ein Familienvater sagte: am Sonntag ist der einzige Tag, an dem ich mit der Familie frühstücken kann. Interessanter Weise ist auch der 17.00 Gottesdienst davon betroffen. Denn eine weitere Wahrheit ist, viele Menschen meinen, Kirche sei eine traurige, belastende Angelegenheit, moralinsauer und der liebe Gott ein Spaßverderber.

Jesus erzählt diese Geschichte, weil er uns durch die Blume dieses Gleichnisses sagen will, dass der Gastgeber unseres Lebens – Gott – ganz anders ist. Er lädt uns zu so etwas wie einem Fest ein, einer absolut fröhlichen Angelegenheit.
Der Gastgeber scheint ein sehr spontaner Mensch zu sein. Er bereitet erst alles vor, dann schickt er den Boten mit der Einladung. In unserem organisierten Deutschland würden wir uns über eine Flut von Absagen bei dieser Art von Spontanität nicht wundern. Schließlich haben wir Termine.

Und genau das ist es, was Jesus uns sagen will. In der Welt, für die er lebt und von der er nicht müde wird zu sprechen haben besonders die eine Chance, die nicht mit eigenen Dingen beschäftigt sind.

Diesem Beschäftigtsein scheint auch der Zorn des Gastgebers geschuldet. Also noch einen Gedanken dazu, denn Jesus weiß von einem liebenden Vater, spricht nicht mehr vom Gott, der Unrecht bis in die vierte Generation ahndet. Das, was hier Zorn genannt wird, sind nicht weniger als die Konsequenzen, die wir auf Grund unserer Lebensführung selbst zu tragen haben. Wir verschreiben uns bestenfalls der Selbstverwirklichung und verstricken uns in der Unlösbarkeit dieser Aufgabe. Alltäglich häufen wir den Berg der Arbeit höher über uns auf. Wir rennen und hasten, vertun unsere Zeit. Und Jesus stellt uns einen Vater im Himmel vor, der sich die Haare rauft und sagt: warum nur verbringen die Menschen ihre Tage in dieser Hetze, warum machen sie sich das Leben so schwer? Warum, vor allem, versuchen sie ihr Leben alleine auf die Reihe zu bekommen, mit ihren Mitteln, sind ausschließlich mit den eigenen Dingen beschäftigt? Sie könnten es so einfach haben, wenn sie meine Einladung annehmen würden.

Jesus spricht mit diesem Gleichnis in unsere Richtung, die wir uns fragen: müssen wir nicht erst noch eine Zugangskontrolle hinter uns bringen, etwas regeln? Müssen wir uns nicht mindestens selbst noch in Ordnung bringen, bevor wir eine Einladung Gottes annehmen können? Müssen wir, bevor wir glücklich sein wollen, nicht noch diese Hürde und Stufe genommen, jene Bedingung erfüllt und dieses Ziel erreicht haben? Wenn ich das erreicht habe, dann bin ich glücklich, sagen wir.
Als könnten wir Leben verschieben, aufheben. Jetzt wird gelebt oder die Zeit vertan. Jetzt fängt das Fest an, nicht erst dann wenn…, nicht erst, wenn ich genug Geld verdient habe, pensioniert bin, mein Leben in Ordnung gebracht, den richtigen Partner gefunden oder den Urlaub erreicht habe.

Darum haben es auch die, die nichts haben einfacher. Wer mit seinem Joch Ochsen, also dem Repräsentationsfortbewegungsmittel, dem neuen Baugrundstück, der Jagd nach der oder dem Richtigen beschäftigt ist, wer Glück einfach in die Zukunft verschiebt, der kann das Geschenk des Lebens, das Fest, das Gott bereitet hat, nicht heute und nicht jetzt leben.

Beschäftigung als Ausrede. Ziele als Grund, die Zusagen des Augenblicks nicht einzulösen. Ich habe Zeit, die Frage ist nur wofür. Der Umgang mit der Zeit spielt eine wichtige Rolle beim Zugehen auf das Reich Gottes. Den lieben Gott auch einmal einen guten Mann sein zu lassen ist offensichtlich genau das, wozu Gott selbst uns einladen will. Unser Leben sei ein Fest, schlägt er uns heute am Sonntag als Lied, vor allem aber als Lebensprogramm vor.

Das kann Wirklichkeit beim Familienfrühstück oder beim Morgen im Bett werden. Wann und wo ich den lieben Gott einen guten Mann sein lasse, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass ich dieses Fenster in meinem Terminkalender offen halte und dass ich bewusst den diesen guten Mann als Gastgeber sehe!

Aber was ist mit mir, wenn ich die Einladung ausschlage, wenn ich meine, ich bekomme es selbst besser hin, wenn ich eben beschäftigt bin und meine, eine gute Entschuldigung zu haben? Kommt dann nicht doch wieder eher der ungnädige Vater ins Bild, einer, der die Türe zuschlägt und sagt: von jenen Männern, die eingeladen waren, wird keiner von meinem Mahl zu kosten bekommen.

Dass ich nie mehr eingeladen werde, das genau steht nicht im Text. Beschrieben wird im ganzen Gleichnis, dass die Eingeladenen es selbst in der Hand haben. Sie haben die Wahl.

Ich selbst muss einfach nur hingehen, mein Leben ein Fest sein lassen wollen. Ich muss die Einladung einfach nur annehmen. Amen.