sich selbst genug – aber ganz für andere da

Traueransprache

über

Lk 10, 27.28

für

Eva Müller

22. März 2022

Hauptfriedhof Koblenz

„Wohl denen, die gelebt, ehe sie starben“ (Marie Luise Kaschnitz)

Jesus sprach zu dem Schriftgelehrten: Was steht im Gesetz geschrieben? Er antwortete und sprach: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.

Was heißt leben?

Leben heißt, ein Leben nach seinen Anlagen und Fähigkeiten führen zu dürfen, es zweitens im Einsatz für andere und im Vertrauen darauf, selbst gehalten zu werden führen zu können.

Die Antwort auf die Frage nach der richtigen Lebensführung ist darum immer individuell zu geben. Wie sie im Blick auf Eva lautet, wollen wir uns vor Augen führen.

Am 24. Dez 1927 in Breslau als jüngeres Kind von zweien geboren wuchs Eva im behütenden Elternhaus eines höheren Schulbeamten auf. Breslau war auf dem Höhepunkt ihrer Geschichte als deutsche Kulturstadt.

Beides prägte Evas Orientierung. Die Leidenschaft des Vaters für sein Fach Biologie und besonders die Ichthyologie sog sie ebenso mit der Muttermilch auf, wie sie zweitens schon als junges Mädchen mit den Künstlern der Stadt und ihren Weltanschauungen in Kontakt kam. Nicht zuletzt was es das Künstlerleben ihrer Tante, die Malerei und Gespräche über Kunst in Evas Elternhaus zu bringen pflegte.

Die Frage von Marie Luise Kaschnitz wie denn richtig zu leben sei, bzw. ihr Lob für die, denen es gelang, und die Antwort Jesu, dass Leben in Beziehungen zu leben heiße, nämlich zu Gott, zu seinen Mitmenschen und zu sich selbst,

hat Eva zeitlebens beschäftigt. Sie hat sie als Überschrift bestimmt auch für diesen Moment.

Ihr Leben lesen wir heute als gelebt und erfüllt dadurch, dass sie den genannten Prägungen entsprechen durfte.

Die Liebe zur Biologie, die humorigen Erzählungen über die mitgebrachten Fische ihres Vaters, die die Mutter so ganz und gar nicht ausstehen konnte, diese Liebe hat sie selbst als Weg verstanden, hätte gerne Medizin studiert. Allein, die Flucht zwei Wochen vor dem Abitur ermöglichte ihr später nicht, den Traum in Gänze umzusetzen, in Kronberg bei Frankfurt, wohin die Flucht zur Schwester ihrer Mutter zunächst geführt hatte, konnte sie immerhin eine Ausbildung zur MTA durchlaufen.

Der von ihr geschätzte Rilke schriebe an Friedrich Westhoff „Man muss nie verzweifeln, wenn etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder.“ Dieser Weisheit über die Erfüllung folgte sie in ihrem Leben. Schon den unfreiwilligen Aufbruch aus Breslau erlebte sie in der Hoffnung, dass sie ihr nun die Welt öffnen werde.

Und tatsächlich wisst Ihr, war es so, dass der jungen MTA das Angebot ins Haus flatterte, in Südafrika zu arbeiten.

Und hatte Eva nicht schon in ihren Jugendjahren über Afrika gelesen, hatte davon geträumt, dorthin zu gelangen Anfang der fünfziger Jahre erfüllte sich dieser Traum.

Ihr alle wärt nicht hier, wenn die Fügung nicht die junge Eva in Johannesburg als Ersatz für die erkrankte Kollegin zum Termin mit dem jungen Deutschen aus Deutschsüdwest Claus Müller geschickt hätte.

Ich muss die Jahreszahlen der Geburten nicht nennen, in denen die Familie in Südafrika und Deutschland wuchs.

Wichtig ist mir, die Freude am Lesen, das Leben in geistigen Welten, die Lust am Reisen und Fantasie, mit der Eva durch Lektüre und Träume zu ihrer Bestimmung geführt wurde.

Schon als Kind faszinierte sie manches mal ein Buch mehr als die Einladung zum Spiel der sie besuchenden Freundin.

Hier wird ein Persönlichkeitszug von Eva deutlich, der zeigt, wie lebendig und bunt ihr Innenleben war. Es genügte ihr auch später oft, mit einem guten Buch allein zu Hause zu bleiben. Sie war ein Mensch, der sich genügte.

Das scheint in erstaunlichem Gegensatz zur Vierzahl der Kinder zu stehen. Zumal Eva einen tiefgehenden Blick für das jeweilige Wesen ihrer Kinder besaß. Sie verstand es, sich auf die unterschiedlichen Charaktere von Euch einzulassen. Sie verstand es zu lassen, d.h. sie redete nicht rein, ließ Euch Eure Erfahrungen machen, war aber mit einfühlsamem Verständnis da, wenn es ums Reflektieren der Folgen ging. Sie machte keine Vorwürfe. War solidarisch. Verfügte aber über klare Positionen., die sie emotional zu verteidigen verstand.

Ich denke gern an Raum und Freiheit, die sie auch den Freunden ihrer Kinder beim Spielen in den Räumen in der Mozartstraße gewährte. Wer Hunger hatte, der konnte sich ein Brot schmieren. Toastbrot und Nutella habe ich so kennen gelernt. Kochen dagegen war nicht ihre Lieblingsbeschäftigung.

Wichtiger als der Esstisch war die Tischtennisplatte für die Kinder, war der Schwebebalken für die Mädchen im Flur, war die Schaukel im Türdurchgang.

Sie gewährte anderen das, was ihr selbst wichtig war. Der Raum der Autonomie.

An ihrem Beispiel wird deutlich, dass Selbständigkeit und Empathie sich nicht ausschließen müssen.

Auch hatte sie diese Eigenständigkeit nötig, denn Koblenz war nicht das Pflaster, das ihr entsprach. Das Nachkriegskoblenz hatte nicht im Ansatz das an Kultur, an Theater, an Kunst zu bieten, was sie aus Breslau gewohnt war. Entsprechend distanziert stand sie zu dieser Stadt. Und umgekehrt blieb der Kreis der Guwwelenzer klein, der sie zu integrieren verstand.

Reisen, Hund und Savognin war ihr wichtig.

Und ihre Kinder. Am Leben der Kinder und Kindeskinder teilzunehmen, davon konnte sie nicht genug bekommen. Bis zwei Uhr nachts blieb sie noch im hohen Alter im Gespräch mit den Enkeln. 

Wie gesagt, soziale Kompetenz und die Gabe, für sich allein leben zu können sind bei ihr eine enge Partnerschaft eingegangen. Und ist es nicht so, dass sie in Wahrheit einander bedingen?

Eva hat einen Brief zum Abschied geschrieben. Zur Begründung schreibt sie: „Ich habe diesen Brief geschrieben, um noch ein bisschen bei Euch zu sein …“ Sie bleibt aber noch aus ganz anderen Gründen. Sie bleibt als erziehende Mutter. Sie bleibt als Vorbild, sie bleibt im Herzen mit all ihren Gaben. Von ihr dürfen wir überzeugt sein, sie hat im oben erfragten Sinne gelebt, bevor sie starb.

Darum gilt Ihr erster Satz dieses Briefes für Euren Weg jetzt: „Ihr müsst nicht traurig sein!“

Amen

Unter dem Lebensbaum

Traueransprache

Koh 4, 9-12

für

Ulrike Agte

19.03.2022

Waldfriede, Konz

Hier an diesem Baum wollen wir Abschied nehmen von Ulrike. Der Baum selbst möchte ein Bild für unser Leben sein. Er keimt, wächst und widersteht den Stürmen des Lebens, er lässt sein Laub und erblüht neu. Der Maler Caspar David Friedrich hat in seinen Gemälden den Baum stets auch als Mahnmal gesehen, seine verdorrten Zweige nicht verschwiegen, seine Gestalt als Bild für unser Sein in der Zeit offenbart.

Über Ulrikes Leben wissen Sie alle viel besser Bescheid als ich. Über ihre Zeit in Rehren, ihre Geburt dort am 18 Mai 1956. Über den Umzug im selben Jahr noch nach Hannover. Sie kennen die Geschichten, die sie von zu Hause und über ihre Spiele erzählt hat. 

Sie erinnern sich z.B. an die gemeinsame Fahrt im VW Käfer von Hannover zur Familie der Mutter in Wien. Dies zu einer Zeit als es noch kaum Autobahnen gab, und Ulrike, die jüngste hinter dem Rücksitz im Kofferschacht mitfuhr.

Sie wissen, dass sie früh von Hannover wegzog, um ihre Ausbildung abschließen zu können, dass sie ins Reformhaus zu ihrem Bruder ging. Und so ihren beruflichen Weg ging, den sie ein Leben lang mit den unterschiedlichen Schwerpunkten in dem einen Arbeitsgebiet Kosmetik betrieben hat. Sie alle kennen Ulrikes Begegnung mit Heinz Gemeinder und verstehen, dass sie in ihm vieles fand, was sie selbst in sich suchte.

Darum hier der Bibelvers aus dem ersten Teil der Bibel:

So ist’s ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. 10Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. 11Auch, wenn zwei beieinanderliegen, wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden? 12Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.

Ulrike war ein geselliger, ein Familienmensch. Die dreifache Schnur steht für ihre Kinder, deren Mehrzahl bzw. die jüngeren sie mit ihrem zweiten Mann Patrick Agte hatte. Sie steht aber auch für Sie, die ganze Familie, die Geschwister und alle Familienzweige.

Schließlich kam noch ein Hund dazu und in dieser Zeit lernte ich sie kennen, weil sie sich in der Kirchengemeinde engagierte. Ich schätzte ihre warme Herzlichkeit, ihre annehmende Menschlichkeit, die Nahbarkeit, mit der sie die Jugendlichen auf den Rüstzeiten begleitete. Ihre Hilfsbereitschaft in der Gruppenküche ebenso wie das Ohr, das sie stets für einzelne Jugendliche hatte.

Es war die Zeit, in der sie in Pluwig lebte. Und in der sie mit viel Herzblut die Kosmetikschule betrieb. Unvergessen sind ihre Erzählungen über die Schule, die den eindeutigen Schluss zulassen, wieviel Lebenskraft und Schaffensfreude sie in die Schülerinnen investiert hat.

Caspar David Friedrich hätte in Ulrikes Lebensbaum für dieses ihr Interesse einen sehr kräftigen Ast eingezeichnet.

Noch vitaler waren ihre Bemühungen wenn es um die eigenen Kinder ging. Ich habe hier diesen Schirm mitgebracht, weil er für das steht, was Ulrike antrieb: Schutzschirm wollte sie sein und den Kindern die Sonnenseite des Lebens zeigen. Die jüngeren fühlten sich in ihrer Welt durch Ulrike geborgen. Das zweite Symbol habe ich hier in der Tasche. Wie in Watte gepackt hat sie ihre Kinder Thilo, Thurid und Hagen.

Gleichzeitig gibt das Nutzen dieses Symbols den Blick auf die andere Seite von Ulrike frei, dass sie sich einen Hund beispielsweise zulegte, aber eigentlich gar keine Zeit zwischen Haushalt, Kosmetikschule, eigenen Kindern für das Tier hatte.

Auch für die Erziehung der Kinder gilt, dass sie belastenden Ernst von ihnen fernhalten wollte. Ein Wesenszug von ihr war, dass sie stets an andere dachte, aber zu wenig an sich, und wie sie ihre Kräfte wieder auffüllen konnte. Sie sorgte sich um Euch, aber hatte keinen ausreichend guten Blick für sich selbst.

In Heinz Gemeinder hatte sie von ihrem alter Ego vor allem die Strukturiertheit gesucht und gesehen. Zeit ihres Lebens musste sie Dinge ausblenden, sie einfach liegen lassen, Post z.B. nicht öffnen, weil ihr eine überblickende Struktur für die Vielfalt ihrer Aufgaben nicht gegeben war.

Da verweht die Watte ebenso leicht, wie sie zuvor Geborgenheit geboten hat.

Auch das macht das Bild eines Baumes deutlich. Jeder ist verschieden und wo der eine dichten Wuchs vorweisen kann, ist ein anderer ohne einen solchen Ast, kann sich zur Wetterseite nicht schützen, muss das schlechte Wetter einfach ausblenden, leugnen, ignorieren.

Auf dem Ohr war Ulrike taub. War sie beratungsresistent und ließ sich nicht gern ins Konzept reden. So schaffte sie Raum für die sonnige Seite, betonte diese gern besonders, lenkte gern selbst den Blick auf die schönen und behaglichen Seiten.

Darum habt Ihr Kinder dieses Gesicht Eurer Mutter so geschätzt. Ihre Leichtigkeit. Ihre mitreißenden Ideen. Die unbedarfte Art, mit der sie sich selbst begeisterte, anstecken ließ. Denn für einen Spaß war sie sich nie zu schade.

Ihre Tochter Julia glaubte lange, dass ihre Mutter die Hippiezeit noch in den Adern hatte, so jung geblieben und zu wilden Unternehmungen aufgelegt kam sie ihr lange vor.

Ihr habt sie auch als Ansprechpartner geschätzt. Man konnte mit ihr über alles reden.

Der positive Geist von ihr ist hoffentlich genau das, was ihr als drei-, ja eben vierfach verbundene Schnur mit in Euer zukünftiges Leben nehmt. Ulrike sagte in manchem Engpass einfach: „Jetzt ist es so – was machen wir daraus“.

Sie schaute positiv auf morgen.

Diese Seite nehmt mit in Euer weiteres Leben.

Denkt an die Liebe, die sie gegeben hat. Sie hat die Gabe zu lieben in Euer Leben gepflanzt. Und eine Wahrheit dieser Liebe ist grundsätzlicher Art, sie gilt auch gerade für Situationen wie für diese hier unter dem Baum: wer liebt, kann lassen.

Gott geschieht zwischen Liebenden

Trauansprache über Phil 2, 2-4

So erfüllt mir die Freude und seid alle eines Sinnes. Lasst harmonische Liebe unter euch walten; seid einmütig, einträchtig, weder brecht Streit vom Zaun noch seid selbstsüchtig, sondern verhaltet euch so, dass ihr euch selbst nicht an die erste Stelle setzt, sondern haltet den anderen hoch, höher als euch selbst.

Eines Sinnes sein, 

liebe Festgemeinde, das heißt nicht einer Meinung zu sein. Keinesfalls. Sondern setzt eine lebendige Diskussionskultur voraus. Dann die Wahrheit ist immer die Wahrheit zwischen zweien oder mehreren, sie ist der miteinander gefundene Nenner in der Mitte. Im wahrsten Wortsinn will Wahrheit ver-mittelt sein!

Doch ich will nicht das Ende der Predigt gleich vorwegnehmen. Wartet ab!

Ich will mit den Anfängen anfangen.  Eurem Anfang.

Und der war besorgniserregend sprachlos. Bei Helma Ewald hattet Ihr Euch in der WG kennengelernt. Dann anlässlich Karneval wiedergesehen, aber immer noch nicht miteinander gesprochen.

Das Maul habt Ihr erst aufbekommen, als die Luke aufging – also die Tür von der Luke auf war, und Ihr Euch in der Szenenkneipe Auge in Auge gegenüberstandet.

Als das Fass dann aufgemacht war, Stichworte „Schweden“ – „Australien“, da waren die folgenden Stunden voller Worte zwischen Euch, voller Ideen, Visionen, Pläne, Hoffnungen und Vorsätze.

Bei Isabelle mag es in der Hitze der Wüste Australiens und der aussichtlosen Situation gefunkt haben, in der das Du auf der anderen Seite des Globus weilte. 

Bei David war die Sache anlässlich der Begrüßungsparty nach Euer beider Rückkehr 2011 geschnitzt. 

Man könnte sagen, dass ab hier Euer gemeinsamer Weg verläuft.

Erfüllt mir die Freude und seid alle eines Sinnes, schreibt der Apostel, setzt Euch selbst nicht an die erste Stelle, sondern haltet den Anderen hoch, höher als Euch selbst.

Von programmatischer, sinnbildlicher und prägender Art war der Hüttenweg bei Davos. Wechselweise habt Ihr Euch gezogen und geschoben, wart euch gegenseitig Stütze, habt den Anderen in seinem Bedürfnis sich zu erholen, gelten gelassen und Euch gegenseitig motiviert. 

Ihr wart nicht einer Meinung, sondern habt geredet und Eure Wellenlänge gefunden.

Eine kräftige Portion Liebe hat die Worte gelenkt.

Nun sagt der Volksmund, Liebe mache blind. Und so gut es ist, dem Volk aufs Maul zu schauen, um zu verstehen, was wesentlich ist oder wie man einen Sache auf den Begriff bringt. Hier irrt der Volksmund.

Nicht Liebe macht blind. Verliebtsein macht blind. Der Verliebte sieht durch eine rosarote Brille und fiebert seinem Ergänz-mich-Du entgegen.

Liebe dagegen macht sehend !

Eminent sehend sogar.

Du, Isabelle, siehst, dass Du bei David unverstellt die sein kannst, die Du bist. Denn David ist tolerant und nimmt jeden Menschen so wie er ist.  Er hat eine Haltung, durch die er gut Ruhepol in der Beziehung sein kann.

Du schätzt ihn als liebevollen Vater Eurer Kinder.

Aber er steht sich auch manchmal im Weg, weil er alles selbst machen will, besonders das Handwerkliche. Da kann es dauern, bis die Bremse des Kinderwagens repariert ist. 

Denn es ist alles wohl zu überlegen.

Darum ist David auch  ein guter Diskutant.

Du, David, schätzt die Initiativkraft von Isabelle. Du empfindest sie als belebend. Gleichzeitig bewunderst Du ihre Selbständigkeit.

Du hast bei ihr gelernt, dass Liebe durch den Magen geht. Sie kann verführerisch gut kochen. Und hat Seele und Händchen dafür, ein einladendes Zuhause anzubieten.

Aber sie kann auch gleichzeitig beide Ohren zumachen und ist dann durch kein Wort der Vernunft argumentativ zu erreichen. Zugbrücke hoch !

Zum Glück hat sie reichlich Humor und eine ihrer Stärken ist, ihrer Lebensfreude mutig und mitreißend Ausdruck zu verleihen.

So seht ihr beide Euch. Mit Euren jeweiligen Licht- und Schattenseiten und sprecht zu beiden heute und in Zukunft Euer liebendes Ja.

Nun wird uns allen nicht schwerfallen zu verstehen, warum Gott Euch, Eure Ehe und die Familie segnet. Und warum wir diese Zeremonie in seinem Namen feiern.

Wir machen uns oft ein unvollständiges Bild von Gott. Hilflos und anthropomorph.  Ein weiser Mann im Himmel kommt dabei heraus.  

Und von Jesus das Bild, das die vier Evangelisten entwickelt haben: ein wundertätiger Wanderprediger, dem das Reich Gottes am Herzen liegt. Einer, der verstanden hat, dass man sich gewinnt, wenn man sich dreingibt.

Blass dagegen bleibt die Vorstellung vom heiligen Geist. Dabei ist er das Attribut, das uns heute vor Augen führen will: Gott ist Beziehung selbst. Denn Gott ist nicht – er geschieht !

Und zwar zwischen Menschen. Zwischen ihm und Menschen. Er wird dort Wirklichkeit, wo etwas zwischen uns geschieht. So erfindet er sich immer wieder neu. Am liebsten aber zwischen Liebenden. 

Amen

Vorbild Vertrauen

Predigt über die Speisung der 5000 (nach Joh 6, 1-15) beim Openair-Gottesdienst in Osburg – Abschiedspredigt von Matthias Jens

Ein ermutigender Auftrag

Danach ging Jesus zum jenseitigen Ufer des galiläischen Meeres von Tiberias fort. Ihm folgte eine große Menschenmenge, weil sie die Zeichen gesehen hatten, die er an den Kranken getan hatte. Jesus aber bestieg den Berg und setzte sich dort im Kreise seiner Jünger. Es war die Zeit kurz vor dem Passah, dem Fest der Juden. 

Als Jesus nun seine Augen aufhob und sah, wie die Leute in Scharen zu ihm kamen, sagte er zu Philippus: „Woher sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen bekommen?“ Das sagte er freilich nur, um ihn auf die Probe zu stellen. Er selbst wusste ja, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: „Selbst für zweihundert Denare Brot würden nicht ausreichen, dass jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück Brot bekäme.“ 

Einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zum ihm: „Hier ist ein Kind, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische – doch was ist das für so viele!“ Jesus sagte: „Lasst die Leute sich lagern!“ Es gab reichlich Gras in der Gegend, und so lagerten sich die Leute, fünftausend an der Zahl. Da nahm Jesus die Brote, sprach den Lobpreis, und verteilte sie unter den Lagernden, ebenso auch von den Fischen, soviel sie wollten. Als sie satt geworden waren, sagte er zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrig gebliebenen Brocken auf, damit nichts verdirbt!“ Da sammelten sie sie auf und füllten zwölf Körbe mit Brocken, die von den fünf Gerstenbroten beim Essen übrig geblieben waren. 

Wie die Leute das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: „Wahrhaftig, dieser Mann ist ein Prophet, der in die Welt kommen soll!“ Doch weil Jesus merkte, dass sie drauf und dran waren, ihn mit Gewalt zu entführen, um ihn zu ihrem König zu machen, zog er sich wieder auf den Berg zurück.

Das Leben ist Anspannung und Entspannung. Einatmen und Ausatmen. Große Dinge können wir nur leisten, wenn wir uns auch Entspannungsphasen gönnen, Zeiten, in denen wir uns sammeln und zu Kräften kommen. Der Rückzug Jesu auf einen Berg steht für Phasen in unserem Leben, in denen wir Überblick im wahrsten Wortsinn gewinnen, vielleicht Zeiten wie den Urlaub, in denen wir aus dem Alltag herauskommen.

Aus dieser Ruhe heraus gelingt ihm jedenfalls etwas Wunderbares. Und das steht im Gegensatz zu der Publicity, die das Wunder auslöst. Der Ruf: „Macht Jesus zum König“ ist ein naheliegender Gedanke, 

aber erstens möchte die Ethik des Reiches Gottes nicht in eine Verfassung gegossen werden, kann das gar nicht, weil sie sich stets zwischen Mensch und Mensch ereignet, stets frisch und unverbraucht gelebt werden will. Sie lässt sich nicht in das Gesetzeswerk eines noch so königlich regierten und noch so weise organisierten Staatswesens eindosen. Sie wäre dann dazu verurteilt, weil allgemeingültig, dem ein oder anderen gerade dadurch wieder nicht gerecht zu werden.

Und zweitens ist das eigentliche Wunder dieser Geschichte doch, dass die Jesusleute dazu ermächtigt, ermutigt werden, sich selbst einzubringen. Wir lernen: Jesu Ethik ist Situationsethik, er will nicht „in die Welt“ und vor alle Welt – er will ihr Kontrapunkt sein. Und es gilt: wahre Wunder und Publicity schließen sich aus. Will gar ein wahres Wunder sich zur Schau stellen, dann wird es zur schlichten Ware. Wahre Wunder ereignen sich zwischen Menschen und basieren weder auf Geld noch auf Anerkennung. Gerät solch ein Geschehen vor die Augen neugieriger oder gar gieriger Menschenmassen, dann verkommt es bestenfalls zur Zeremonie, meist jedoch zur mehr oder weniger ehrgeizigen Show.

Dem verweigert sich Jesus. Keinen Starkult bitte!
Ihm kommt es allein darauf an, in der jeweiligen Begegnung mit Menschen zu offenbaren, wie nah das Reich Gottes sein will. Und dass dieses Aufleuchten des Reiches das Gegenteil von dem ist, was wir Event nennen. Wir Kirchen sind aufgefordert, über den Einsatz von Pomp und Kult neu nachzudenken. Auch jeder, der Wunder um des Wunderbaren willen bewundert, wird zurückgepfiffen.

Wenn also das Ereignis am See mehr Sein als Schein ist; was also genau geschieht an diesem Tag am Ufer gegenüber von Tiberias? Neugierige und sehnsüchtig auf Veränderung wartende Menschen sind weitab der Zivilisation gelandet, die allein sie alle ernähren könnte. Sie sind voller Entbehrung uns zugleich voll Hoffnung.

Die Erwähnung des nahen Passahfestes leitet das Verständnis des Lesers zum Thema Abendmahl. Johannes will uns verstehen lassen, dass es bei der bevorstehenden Selbstgabe Jesu in Jerusalem – „Ich bin das Brot, ich bin der Wein“ so wird er die Abendmahlsgaben deuten – dass er bei dieser anstehenden Selbsthingabe durchaus auf den ganzen Menschen als Empfänger abzielt. Es geht nicht um Glauben allein oder etwa nur ein frommes Gefühl. Es geht ihm darum, dass alle Menschen satt an Seele und Leib werden!

So konkret will das Reich Gottes sein: alle Menschen sollen satt und zufrieden sein. Für diese Vision steht die unübersehbare Schar der 5000. Auf dieser Erde ist genug für alle da. Wie kann eine gerechtere Verteilung der Güter gelingen?

Genau davon erzählt die Perikope. Die Erwähnung eines unschuldigen Kindes als Bringer von Brot und Fisch gibt uns den Fingerzeig, dass es uns nur in kindlicher Unschuld gelingen kann, das Richtige zu tun.

Und! Es geht um die Frage, was habe ich zu geben? Blickt die Armut an, aus der heraus die Jünger verteilen. Sie offenbart, dass sich selbst einzubringen nicht mit Rechnen und Sparen, nicht mit Versichern und vom Überfluss ein wenig abzugeben beginnt. Wir erkennen: was in diesem Moment helfen kann ist, die Armut zu teilen!

Ich stelle mir die Sache so vor. Jesus gibt offenherzig. Die Leute merken: er hält nichts zurück. Denn unter den vielen Neugierigen sitzen auch etliche Skeptiker und solche, die auf Sensationen hoffen. Doch Jesus und seine Jünger beginnen einfach nur das, was sie haben, zu verteilen. Sie denken an die anderen zuerst. Die Jesusleute geben und legen nicht zuerst etwas für sich zurück.

Das (!) ist das eigentliche Wunder. Denn für gewöhnlich sind wir so, wie die mitten in der Menschenmenge. Erst mal abwarten, mal hinschauen, was die anderen machen. Und wie die sich für gewöhnlich verhalten, das wissen wir aus den Erzählungen vom reichen Kornbauern und vom reichen Jüngling. Sie versagen, als es darum geht loszulassen, sich nicht abzusichern, sich ganz in Gottes Hand zu wissen. Sie wollen und können nicht auf selbsterrichtete Sicherheit und Rücklagen verzichten. Sie haben mit dem Anreichern und Anhäufen begonnen und stützen sich darauf – warum? Weil sie Angst haben, weil es ihnen an Vertrauen fehlt.

Hier aber geben Jesus und seine Jünger im vollen Vertrauen, dass auf Erden niemand zu kurz kommt. Und die Menschen merken das. Da gehen auf einmal die Ranzen auf, die Hirtentaschen und auch aus den Umschlägen der Gewänder kommen die Trauben, Feigen, Datteln, die Brote, die Vesperschnitten, die man sich sicherheitshalber eingesteckt hatte, und das Gemüse. Auf einmal füllt sich das ausgebreitete Tuch zwischen den sich Lagernden – und tatsächlich: alle werden satt!

Wir verstehen: dieser Aspekt vom Reich Gottes wird immer dann wahr, immer dann Wirklichkeit, wenn Menschen ihre Angst verlieren. Dann hören die Einflüsterungen des Herrn der materiellen Welt auf: „Halte was du hast“, und: „Genug ist nicht genug.“ Diese Stimmen in uns verstummen.

Das Wunder der Speisung der Fünftausend ist also das, dass Menschen einander aufschließen mit ihrem eigenen Vertrauen. So ziehen wieder Freizügigkeit und Gastfreundschaft in unserer Welt ein. So rückt unsere Welt an die ran, wie sie um Gottes Willen sein soll.

Die zwölf Gefäße, die sich aus den Resten dessen füllen, was ein unschuldiges Kind einfach so gebracht hat, diese zwölf sind natürlich die Jünger, die nach diesem Wunder der Zwischenmenschlichkeit voll von diesem Vertrauen sind, dass wir letztlich alle satt werden. Gott will es. So, liebe Gemeinde, dürfen auch wir sein.

Darum feiern wir das Abendmahl heute so, dass dies deutlich wird. Die in diesem Jahr Konfirmierten kommen als erste zu einem Abendmahlskreis zusammen. Sie stärken sich gleichsam und werden zu denjenigen, die als erste von Jesus und seinem Verhalten gehört haben.

Um sie mit ihrem jungen neuen Vertrauen begeben sich dann in die Mitte ihrer Familien und wir sehen: die Konfirmierten geben in wahrnehmbarem Glauben weiter, was die einfache Form des Sakraments bedeutet: Gottes gutes Zeichen seiner Anwesenheit. Das ermutigt uns, uns so einzubringen, wie wir sind. In allem zeigt sich: Glaube will von Mensch zu Mensch weitergegeben werden.

Amen.

Zum Abschied: drei Prinzipien

Predigt über Lk 9, 57 – 62

Gehalten am:              15. August 2021        in: Gusterath und Grünhaus

Lieder:                        664                             Liturgie: Nr. 31

                                   409                             Psalm 712.1

  • GB 813

671

  • Lesung: Mk 10, 13-15

„Lass mich mich zuerst noch von meiner Familie verabschieden“ bittet der nachfolgewillige Jünger den Meister.

Abschied nehmen und bei seiner Bestimmung ankommen. Davon spricht unser heutiger Predigttext.

Denn unser Leben ist tatsächlich stets die Begegnung mit dem Neuen und es bleibt ein ständiges Abschiednehmen. Vieles tun wir heute zum letzten mal.

Und ich weiß noch ganz genau, als ich zum ersten mal hier auf diese schöne Kanzel trat.

Wir sind inmitten unseres Auftretens und Abtretens eingebunden in einen größeren Zusammenhang, der uns birgt. Ein anglikanischer Bischof hat es in folgendes Bild gefasst:

„Ich stehe am Ufer. Eine Brigg segelt in der Morgenbrise hinaus aufs offene Meer. Ein herrlicher Anblick und viele beobachten mit mir das stolze Schauspiel – bis sie zuletzt am Horizont verschwindet. Und jemand sagt: Jetzt ist sie nicht mehr da. – Nicht mehr da? Wirklich? Das gilt doch nur für meine Augen. Denn gerade in dem Moment, in dem wir hier sagen „jetzt ist sie nicht mehr da“ taucht sie auf der anderen Seite am Horizont auf und Menschen rufen „Schau, da kommt sie!““

Leinen los und Leinen fest. Aufbrechen und ankommen. Verabschieden und begrüßen. Unser Leben ist im Fluss. Panta rhei. Und darum kommt es so sehr auf unseren Standpunkt an.

Genau davon spricht Jesus: von unserem Standpunkt.

Es gibt Entscheidungen in unserem Leben, die dulden keinen Aufschub.

Im Blick auf unsere innere Integrität, im Blick auf das, was Kirche unser Seelenheil nennt, heißt es in der Bibel zwar immer wieder, auch eine Entscheidung für den rechten Weg während des letzten Atemzuges sei noch rechtzeitig genug.

Aber genau das ist das Problem der Stunde: dem eigenen Leben überhaupt die Richtung zu geben, von der ich überzeugt bin, dass sie die richtige sei. Durchs eigene Leben heute einen Ruck gehen zu lassen. 

Denn was du tun kannst tue gleich – oder: was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen; oder wie die Weisheiten lauten mögen, die die eine Wahrheit behandeln: dass nämlich unser Selbstbewusstsein darunter leidet, wenn wir nicht tun und nicht dafür eintreten, was wir für richtig halten.

Wenn vom Reich Gottes die Rede ist, dann ist damit gemeint, dass wir nicht nur anderen wahrhaftig erscheinen, sondern dass wir vor allem vor uns selbst bestehen können. Mit einem Auseinanderfallen von Einsicht und Entscheidung, von Verstehen und Verhalten ginge auch die Einheit von uns selbst verloren

Darum nennt der Mann aus Nazareth auch die Kinder nah am Himmelreich, weil weil sie eins mit ihren inneren Impulsen sind. Sie sind ganz das, was sie tun. Es gibt kein später oder anders für sie.

Weil es also um nicht weniger als uns selbst geht, spricht Jesus hier ebenso knapp wie eindeutig.

Drei Maßstäbe gibt er uns mit.

Erstens: Glaubwürdigkeit. An deiner Bereitschaft, Einschränkungen hinzunehmen, sehe ich den Grad deiner Begeisterung und Überzeugung.

Ich denke da an die vielen jungen Menschen, denen Greta Thunberg ein Gesicht gegeben hat. An die Jugend, die sich nicht von Mama im Zweitauto zur Schule bringen lässt, die mit dem Fahrrad fährt und für „friday for future“ demonstriert.

Der Mann aus Nazareth spricht von der Heimatlosigkeit der ethisch Entschiedenen. Sie verzichten auf viel, was unser bürgerliches Leben so angenehm macht.

Bei der Überprüfung solchen Verzichtens für mich erkenne ich, dass es letztlich um den Verzicht auf das „es allen Recht machen“ zu wollen geht. Ohne Auto werde ich weniger Termine wahrnehmen können. Ohne Anrufbeantworter werden manche lange auf ein Gespräch warten müssen.

Die Frage ist also sehr persönlich: halte ich es aus, mich immer wieder für meine neue Orientierung rechtfertigen zu müssen?

Zweitens: „Correctness oder der Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit“.

Es geht Jesus beim zweiten Beispiel nicht darum, dass man Unfertiges liegen lassen können sollte, wenn man ihm folge. Es geht nicht tatsächlich darum, den verstorbenen Lieben nicht noch die letzte Ehre zu erweisen. Sondern es geht um den Gehalt der Rituale. Sie sind Geländer, die dem Unsicheren in neuem Gelände Halt bieten sollen.

Und darum hat der Gottesmann das Zwanghafte vieler unserer Verhaltensabläufe im Visier. An vielen halten wir uns nur noch fest, obwohl sie hohl geworden sind.

Wir meinen bestehen zu können, wenn unser Verhalten buchstabengetreu, wenn es rite vollzogen sei. Es ist die alte Frage, ob etwas recht ist, nur weil ich es richtig gemacht habe.

Mein Sohn fragte mich bei irgendeiner Nachrichtensendung, als Bundesverfassungsrichter ein Urteil bekannt gaben: „Warum tragen sie rote Roben?“ Ich sagte: „Weil sie die höchsten Richter in Deutschland sind:“ „Dann sind sie wohl besonders gerecht!“ meinte er. Ich kam nicht umhin, mich auf ein Gespräch über den zwangsläufigen Unterschied von Recht und Gerechtigkeit einzulassen. Darum geht es auch hier: um den Unterschied zwischen der Form nach richtig und gerecht.

Jesus liefert uns den letzten Maßstab für den Sinn von Ritualen und Geboten am Bespiel des Sabbatgebots. Der Sabbat soll dem Menschen dienen; nicht dieser ein Sklave der Richtlinien werden.

Wenn wir unsere sogenannten Lebensrichtigkeiten überprüfen, dann sollen wir sie auf ihren Nutzen für den Menschen hin beurteilen – auf ihre Menschlichkeit.

Das gilt für einen jeden von uns in seinem Privatleben ebenso wie für unseren Staat und seiner Gesetzgebung.

 Und nun der dritte Hinweis Jesu. Wirkte schon der erste hart durch seine Forderung zu verzichten; und der zweite herausfordernd durch seinen individualethischen Anspruch, so scheint der dritte nun geradezu lieblos zu sein. Nicht familiäre Bande, sondern die Eindeutigkeit deines Lebens soll über allen persönlichen Beziehungen stehen. Die „eisige Höhenluft“ Friedrich Nietzsches scheint hier den zu umwehen, der allein weiß, wie man leben soll.

Und tatsächlich, die Geschichten von Jesus erzählen, dass er genau so selbstlos entschieden und gelebt hat. Er sich im Vertrauen selbst gegeben hat, dass es hinter dem Horizont dieses Lebens eines in einer größeren Welt gibt.

Es will also auch an diesem dritten Bild deutlich werden, dass Jesus es ernst nimmt, Gottes Kind zu sein. Und wie sich konsequent daraus ergibt, dass alle die, die sich als Kinder Gottes verstehen, untereinander Geschwister sein können.

Am Pflug, unterwegs zum Ziel, sich nicht umzuschauen, manche Beziehung hinter sich zu lassen, geradlinig zu sein, also eine gerade Linie zu ziehen, das kann, wer die Kraft aus dem Ziel, aus der Vision einer besseren Welt der Geschwisterschaft aller zieht. I have a dream …

Martin Luther Kings Miteinander von Schwarzen und Weißen ist ja nur ein Aspekt vom endlich anbrechenden Reich Gottes. Dem Reich, in dem jeder jeden und jede gleichberechtigt gelten lässt und Kommunikation gelingt.

Wir denken heute an das Miteinander der Religionen. Wir suchen Geschwister des Glaubens überall auf der Welt. Wir denken auch an die Notwendigkeit eines Miteinanders rund um den Globus, wenn es um das Bewahren der Schöpfung geht. Wir geben Minderheiten in unserer Sprache geschwisterlich Raum.

Zusammengefasst will uns Jesus mit diesem Dreisatz sagen: die Glaubwürdigkeit unseres Verhaltens;

sodann die Menschlichkeit als letztes Prüfsieb, durch das wir alle unsere Entscheidungen gießen sollen;

und die Vision, auf die wir geraden Schrittes zugehen wollen,

diese drei Aspekte sollen das Dreigestirn am Himmel unserer Orientierung sein.

Ja, es gibt Entscheidungen, die dulden keinen Aufschub.

Aber niemand verlangt, dass wir aus dem Stand zum Dreisprung ansetzen. Wir sollen nur nicht im Blick auf die Ansprüche an uns selbst einfach schlicht sitzen bleiben. Denn wer rastet rostet. Bewegen wir uns also. Setzen Schritt vor Schritt.

Und beginnen mit dem ersten Schritt.

Amen

Frieden gesucht – Frieden gefunden

Traueransprache für Heinz Engeln

Jesus spricht: Selig sind, die Frieden stiften,

man wird sie Kinder Gottes nennen

Tatsächlich, Heinz war ein friedlicher und ein friedliebender Mensch. Er erblickte am 10. Februar 1937 in Trier das Licht der Welt. In einer Zeit, die zwei Jahre nach seiner Geburt durch und durch friedlos war. Er blieb das einzige Kind seiner Eltern – seine Mutter war Hausfrau und der Vater Angestellter beim Versorgungsamt  – und stand dementsprechend im Focus von deren Zuwendung.

Verwöhnt darf man ihn trotzdem nicht nennen. Im Gegenteil, ich würde ihn einen stets vernünftig wirtschaftenden, durchaus bescheidenen Menschen nennen. Jemand, der sein Maß kennt. Über die Stränge zu schlagen, das war nicht Heinz Ding. Fast alles in seinem Leben tat er mit Bedacht und in Maßen.

Bedeutsamer noch als damit zufrieden zu sein, was er sich leisten konnte, ist seine moralisch selbstständige Position. Bürgerliche Vorstellungen, wann man eine Frau oder einen Mann zu heiraten habe, waren ihm zum Wohl und zum Glück für seine Kinder fremd! Es komme auf die Liebe an, dass man sich verstehe, betonte er auch seinen Kindern gegenüber. Das gab ihnen Maßstäbe fürs Leben. Was man dagegen tue, weil es sich so gehöre, darüber zeigte sich Heinz in Frieden stiftender Weise erhaben.

Das reichte bis zum Widerspruch gegen die üble Nachrede. Immer schön auf dem Teppich bleiben, immer schön bei der Wahrheit bleiben. Er vermied, Benzin in eine Sache zu gießen und wirkte wieder und wieder mäßigend.

Selig sind, die solches tun, sagt Jesus. Warum? Weil sie der guten Verständigung der Menschen untereinander dienen. Und vielleicht auch, weil sie so das beste für die eigene Seelenruhe tun.

Nicht, dass es zwischen den späteren Eheleuten nicht auch Dispute gab. Immer wieder aber war Heinz es, der dann zuerst die Hand ausstreckte. Das konnte durchaus auch ironisch sein, wenn er zugestand „Ja, du hast Recht“, denn es konnte gleichzeitig das Signal senden „lass mir meine Ruhe“.

Ataraxie, das ist das Wort der alten Philosophen für Seelenruhe. Es ist dem Blick auf Meer entnommen, das gänzlich ohne Wellen ganz friedlich daliegt. Eine ruhige See innerlich zu haben, das war Heinz wichtig.

Konflikte, Wettkampf, das gab es am Bildschirm, beim Fußball. Bei ihm zu Hause waren sie ritualisiert. Gebändigt im häufigen Kartenspiel. Wie auch in seiner weiteren Leidenschaft, dem Kreuzworträtsellösen, ging es ihm auch hier um ein Spiel mit klaren Regeln.

Beim Skat dürfen wir bei ihm fast von einer genetischen Veranlagung sprechen. Denn als der Pauliner Hof noch Kaseler Hof hieß, saßen dort manches mal drei Generationen seiner Familie zum Kartenspiel zusammen. Er, sein Vater und Thomas.

Aber auch in anderen Konstellationen schätze Heinz die Freuden des Kartenspiels. Freitags sah man ihn regelmäßig Skat in der Tennishalle spielen, sonntags wurde in der Familie das Rommee-Blatt ausgeteilt.

Nicht nur Rommee und Skat wurde gespielt, auch Majääsch gehörte in sein Repertoire.

Heinz war ein häuslicher Typ. Seine Familie war ihm ungemein wichtig. Diese war gewachsen seit der Hochzeit 1962. Aber auch in diesem Moment gilt schon, dass die Wahl der Eheleute auf einem viel älteren Fundament steht; einem, das schon in den Kinder- und Jugendjahren mit den Spielgründen zum abgesteckten Gebiet wurde. Denn die späteren Eheleute gingen schon gemeinsam in die Schule und lernten in der Ruwer gemeinsam das Schwimmen, dort, wo Ruwer und Mühlgraben an der Ritsch bei der Karlsmühle zum Baden einladen.

Im Grunde ist das Fundament von Euch beiden nicht eine Ehe lang, sondern in Wirklichkeit ein ganzes Leben voll gemeinsamer Eindrücke und gemeinsamer Erfahrungen.

Nach der Schule erlernte Heinz das Handwerk des Kraftfahrzeugschlossers bei MAN. Anschließend verdiente er sein Geld in einer Übergangszeit als Ausfahrer eines Elektrogeschäftes. Damals galt es schon, eine junge Familie zu ernähren. Die Eheleute lebten in der Bahnhofstraße. In dieser Zeit wurden zwei Kinder geboren, 1963 Christian und 1964 Heike. Mit dem Wachstum der Familie wurden die Wohnungen angepasst. Die nächste Station war die Feldstraße. Jetzt kam Sohn Thomas 1967 dazu. In dieser Zeit suchte die Familie Erholung in einem Schrebergarten, den man angemietet hatte. Der Arbeitgeber Gondert hatte sein Gelände ebenfalls in der Feldstraße. Heinz war zuständig für die Technik des Fuhrparks. Noch einmal wurde die Wohnung zu klein. Man fand die richtige nun in der Speestraße. Und auch die richtige Arbeit, nämlich im Ausbesserungswerk bei der Bahn in Euren.

Schwieriger wurde es mit dem Arbeitsplatz in Burbach. Verbunden war er mit frühem Aufstehen. Die Sehnsucht nach einem verlässlichen Ruhepol war geweckt und wurde 1980 mit einem eigenen Haus und Garten hier in Kasel im Brühlweg 3 gestillt.

Abermals bestätigte sich, dass für Heinz alles ein Maß haben muss. Für jedes Kind ein Zimmer, das war das richtige. Der Garten musste überschaubar bleiben, damit auch die Arbeit in ihm maßvoll blieb. Denn der Garten sollte Erholung schenken und Raum genug die Kinder bieten und ihm Zeit fürs Kartenspiel lassen.

Die anderen Pausen, ohne die sein Leben undenkbar wäre, waren nur Minuten lang und spielten sich auf dem Bänkchen vor dem Haus ab, um genau zu sein, sie dauerten mehrmals am Tag genau eine Zigarettenlänge.

Ohne diese Rituale und ihren Rhythmus ist Heinz für mich nicht vorstellbar.

Im Vorbeigehen bot sich dort das Gespräch über die Rosenbeete an.

Immer blieb er sich treu. Beschwichtigend, mäßigend, unaufgeregt. Ein Mann des Maßes und des Friedens eben.

Er war offen, einladend und unvoreingenommen. Im Kreis der Familie und der Freunde schätzte man seinen Humor.

Heinz war ein hilfsbereiter Mensch. Er war handwerklich geschickt. Und es lässt sich nicht zählen, bei wie vielen Nachbarn und Freunden er im Haus Hand angelegt hat.

Die sind dankbar dafür, dass er ein herzensguter Mensch war.

Die Familie weiß ihn zu schätzen als jemanden, der immer für die Kinder da war. Der im entscheidenden Moment ein weiterführendes Wort zu sprechen wusste, der den Horizont zu öffnen verstand und letztlich für Zufriedenheit, ja Frieden eben sorgte.

Die werden Gottes Kinder genannt werden, sagte Jesus. Ein Kind Gottes zu sein bedeutet, nie aus seiner Hand fallen zu können. Hier im Leben nicht, aber auch darüber hinaus nicht. Heinz Körper lebt nicht mehr. Aber Heinz bleibt vor Gott lebendig. Als eines seiner Kinder lässt Gott seine Hand nicht von ihm, lässt ihn nicht los!

Darauf dürfen wir vertrauen und darum unsererseits loslassen, was wir nicht halten können.

Bleiben aber wird Heinz, der Ehemann, der eigentlich Zeit unseres Lebens zur Seite stand, bleiben wird im Herzen der Vater, der den Frieden gelebt hat.

Seine organische Zeit war um. 

Und für uns, die Hinterbliebenen gilt: Wer liebt, kann lassen.

Amen

die Samariterin von Lorscheid – Ilona Bolsch

Gestern habe ich einen Roman zuende gelesen. Thomas Glavinic, „Das größere Wunder“. Spannend war er. Auf Seite 514 geht es nach einer Mount Everestbesteigung um Leben und Tod. Im Kopf des Helden bildet sich folgender Gedanke:

„Die Frage nach dem Glauben an Gott bedeutet: Magst du Menschen? Oder sollte sie wenigstens bedeuten. Manche verstehen den Glauben falsch. Er ist ja nicht für sie da. Er ist für die anderen da.“

Ein großes, ein Kirchen relativierendes und revolutionierendes Wort.

Und ein Wort aus der Mitte von Ilonas Leben.

Zu diesem moralischen Mittelpunkt ihres Lebens gehört folgende biblische Geschichte:

Lesung aus Lk 10, 25 – 37

Den Nächsten zu sehen und zu tun, was nötig ist, das war Ilona wichtig.

Materielles hintan zu stellen, das war ihr von Mutterleib gleichsam mit auf den Lebensweg gegeben und sie lebte es gerade auch in den Stunden ihres Abschieds von diesem Leben.

Als Ilona Johanna Krull am 15. Februar 1945 in Lüttgenziatz, östlich von Magdeburg zur Welt kam, da stand diese in Flammen. Ihre Eltern begaben sich auf die Flucht, hinterließen alles Eigentum anderen und fanden eine neue Bleibe in Wuppertal. Genauer war es Haan.

Der Vater fand als Vormann bald Arbeit in der Vorwerkschen Teppichweberei, und Ilona wuchs in Haan auf, ging dort zur Schule und heiratete, bekam mit 24 ihren Sohn Stephan.

Allein, die Ehe war nicht glücklich, 1975 trennten sich die Eheleute Militz und Mutter und Kind zogen nach Hilden. Das bot Station für ein Jahr. Unter abenteuerlichen Umständen zogen sie nun nach Düsseldorf. Für drei Jahre war die nordrheinwestfälische Hauptstadt Quartier. In dieser Zeit lernte Ilona Wilfried Bolsch kennen. Gemeinsam zog die Familie 1980 nach Pforzheim. Stephan ging von dort aus ins Internat und die Eheleute zogen abermals um, diesmal über Wuppertal nach Ehrang, um schließlich in Lorscheid eine Heimat zu finden.

Dort erzählte sie mir, dass eine große Bürde in ihrem Leben war, dass sie den Mann 2003 verlor. Er starb mit 59 Jahren.

Davor, danach und selbstverständlich auch in der Ehe ging das in Erfüllung, was ich als den ethischen Dreh- und Angelpunkt von Ilonas Haltung bezeichne. Ihre Sorge um andere. Ihr offenes Herz für Menschen mit Anliegen oder gar in Nöten.

Das waren nicht nur die Tiere, die Freundinnen in der Zeit deren Urlaubs bei ihr unterbringen durften, das waren vor allem Menschen in hohem Alter, die der Zuwendung und Pflege bedürftig waren.

Zunächst hatte Ilona ihr Geld als Verwaltungsangestellte in der Verbandsgemeinde Schweich verdient. Später als Assistentin der Leitung im Altersheim Lorscheid.

Und mit dieser Erfahrung im Rücken vermittelte sie Seniorinnen und Senioren Helfer, Ansprechpartner bei der Krankenkasse, Ärzte und andere Versorgung, derer sie im Alter bedurften.

Sie riet Freundinnen, deren eigene Eltern krank und gebrechlich, dement wurden und starben. Sie stand dem Menschen bei war der Samariter, dem Aufwand und Zeit nicht zu viel wurden, dem Nächsten zur Seite zu stehen.

Erholung von Engagement und Büroarbeit fand sie in der Natur. Aber es war nicht das Spazierengehen, sondern es waren die Ernteeinsätze, die Arbeit im Weinberg, die ihr viel Freude bereitete. Viezobst zu sammeln, Trauben zu lesen, das schenkte ihr nicht nur Ablenkung und Bewegung. Es traft auch einen anderen Nerv von ihr.

Ilona war ein geselliger Mensch, sie unterhielt sich gern mit anderen, war nicht kontaktscheu sondern äußerst kommunikativ.

Der Kommunikation mit ihrem Sohn räumte sie die großen Fenster ein, die seine Autofahrten schenkten. Es waren die häufigen Telefonate zwischen Ihnen, die Sie beide auf dem neusten Stand hielten.

Mit den Freundinnen suchte sie Rituale, die Besuche zu den Jahrestagen hier in Luxemburg, die hohen Festtage, aber auch das geschätzte Eiscafé, die alle hauptsächlich dem Austausch dienten.

Nun war sie es, die abgeholt und gebracht wurde, um die man sich kümmerte. Aber sie konnte es annehmen. Ganz bewusst sagte sie: damals habe ich geholfen, heute bin ich diejenige, der geholfen wird.

Zu ihren Tugenden gehörte, das sie annehmen konnte.

Da sie von Konventionen nicht viel hielt, sage ich es hier in ihrer Würdigung in Form eines Witzes. „Ein reicher Mann starb. Und ließ sich all sein Geld mit in den Sarg legen. Im Himmel sah er die reich gedeckten Tafeln und frage Petrus: Was kostet die Rehkeule, was dieser Lachs hier? Immer sagte Petrus: einen Cent. Oh, dann komme ich mit meinem Vermögen aber weit, jubelte der Reiche. Langsam, konterte Petrus, hier nehmen wir nicht das Geld, das du besessen hast – hier zählt nur das Geld, das du verschenkt hast!“

Ilona, die lebensfrohe Frau, die hilfsbereite Freundin, die gewissenhafte Arbeiterin, im Himmel ist sie eine reiche Frau, denn war sie nicht die Samariterin, die den Bedürftigen auf ihrem Weg erkannt und ihm aufgeholfen hat?

Und noch eine Tugend gibt es zu würdigen. Ihre Souveränität und ihren Mut: „Ich habe mein Leben gelebt, ich kann es abgeben“, bekannte sie mir in unserem ersten und letzten Gespräch. Und der Schalk blitzte aus ihren Augen – sie hatte bereits den Sauerstoff abgewiesen und mit dem Essen und Trinken aufgehört – als sie fortfuhr: „Ich drücke mir selbst die Daumen, dass es gut geht.“

Liebe Trauergemeinde, jeder Mensch ist ein guter Gedanke Gottes. Und als solcher bleiben wir die Sterblichen vor ihm, dem Ewigen, lebendig. Und da Gott keine Person – noch so ein klassisches Missverständnis wie eingangs die Frage nach dem Glauben -, sondern lebendige Verständigung, Kommunikation, da er „Beziehung selbst“ ist, wird Ilona mit ihm im Licht seiner Liebe im Gespräch bleiben. Auf ewig. Amen.

vom Samenkorn Vertrauen

Predigt über 1. Tim 1

Ich erinnere mich noch daran, als ich das freihändig Fahrradfahren lernte. Ich wollte es unbedingt. Aber es war niemand da, den ich fragen konnte. Meine gleichaltrigen Freunde konnten es alle noch nicht. Meine Mutter war zu Hause, mein Vater auf der Arbeit und mein Bruder fuhr noch mit Stützrädern. Da fragte ich einen unbekannten Mann, der die Straße entlang kam. Der Mann war schon alt, so schien mir aus meiner damaligen Perspektive. Er war wahrscheinlich jünger als ich heute. Aber er mußte es schließlich wissen, denn er war ja ein Erwachsener. Dieser Mann hielt an, widmete sich meiner Frage und erklärte mir etwas, an das ich mich heute nicht mehr erinnere. Er sprach etwas vom Schwung, den ich brauche. Zweifelsohne traute er mir aber zu, daß ich es auf sein Wort hin schaffen würde. Und tatsächlich: nach zwei, drei Versuchen gelang mir das Freihändigfahren.

Ich wollte es damals lernen und er traute es mir offensichtlich zu, daß ich es schaffen könne. Ich bin heute überzeugt, daß es nicht unbedingt seine technische Anweisung war, sondern dieses Vertrauen in mich. Dieses Vertrauen brachte mich weiter.

Liebe Gemeinde, Vertrauen schafft Anfänge.

Der Schreiber des Briefes, aus dem ich gleich zitiere, wird nicht müde, von diesem Anfänge schenkenden Vertrauen zu berichten.

Das ist die Aussage des Textes, der heute Predigtgrundlage sein soll. 

Nun aber erst einmal der Autor selbst:

12 Christus Jesus, unserem Herrn, bin ich dankbar, der mich ermächtigt hat, daß er Vertrauen in mich gesetzt und mich zu seinem Dienst bestellt hat. 13 Hatte ich ihn doch davor gelästert, verfolgt und mich ihm verschlossen. Aber mir ist Erbarmen widerfahren, obwohl ich in uneinsichtiger und glaubensloser Verblendung gehandelt hatte. 14 Wettgemacht in Form von Liebe und Glauben aber hat dies die überfließende Gnade, unser Herr, Christus Jesus. 15 Tatsächlich wahr ist das Wort und annehmenswert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu erretten. Von ihnen bin ich mit Abstand er erste! 16 Aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, damit Jesus Christus an mir als erstem erweise, wie groß seine Langmut ist, zum Vorbild für alle, die hernach zum Glauben an ihn und damit zum ewigen Leben kommen sollen.

Aus Saulus ist Paulus geworden. Der Mensch hat sich verändert. Der ehemalige Generalbundesanwalt in Sachen Verfolgung von Glaubensabweichlern ist selbst zum Sektierer geworden. Der 200%ige Jude ist zum christlichen Glaubensvorbild, ja zum christlichen Lehrer geworden.

Aus Saulus ist Paulus geworden. Doch er ist nicht weniger beflissen, und der eine oder die andere unter Ihnen mutmaßt, einen Seitenwechsel hat er vollzogen, doch eine Veränderung der Persönlichkeit dieses Mannes ist in ihrer Tiefe nicht erfolgt. Saulus-Paulus war wohl Zeit seines Lebens ein ehrgeiziger, in Glaubensdingen vielleicht auch ein fanatischer Mann. Diese Seite menschlichen Lebens war ihm immer schon bitter ernst. So kann ihm gewiß niemand Opportunismus vorwerfen. Auch jetzt im christlichen Lager will er es wieder besonders gut machen.

Und doch ist eine Änderung eingetreten, die dem Paulus wichtig genug erscheint, darüber zu berichten. Die Veränderung, die sein Leben fortan bestimmte, muß tiefgreifend gewesen sein. Paulus ist kein Marketender in Glaubensartikeln, der sich – Hauptsache Geschäft – verkauft. Es geht ihm um nicht weniger als die Wahrheit. Und die liege außerhalb seiner selbst.

Und der, sagt er, habe er sich nun neu angenähert. Bzw sei er angenähert worden. Dies sei eben das Wunder, das Vertrauen wirken kann, das in einen gesetzt wird. Allein Vertrauen – im griechischen dasselbe Wort wie das für Glauben – vermag den Menschen zu ändern.

Das ist interessant, denn die Frage ist ja immer noch unentschieden, ob sich der Mensch nun ändern kann oder nicht. Die Kraft zur Veränderung als Bedingung unseres Glücks:

– Ändere Dich, dann kann ich es bei dir aushalten, sagt die Frau zum Mann am Gabelpunkt der Ehe.

– Ändert euch, kehrt um, dann kommt Gott zu euch, predigt der Täufer Johannes der Menge am Jordan.

– Du kannst einen Menschen nicht ändern, die kleinen Schwächen werden im Laufe eines Lebens gar zu Lastern, lehrte meine Großmutter, wenn es um die Frage des Partners fürs Leben ging.

Was ist nun wahr? Kann ein Mensch sich ändern oder bleibt er immer derselbe?

Paulus beschreibt, daß das Vertrauen, das in ihn gesetzt worden ist, ihn verändert habe. D.h. der Mensch ist von außen verändert worden.

Das ist nun um so erstaunlicher, lehrt doch die Psychologie das Gegenteil. Ein Mensch kann durch seinen Therapeuten letztlich nicht geheilt werden. Ein anderer kann einen Menschen nicht verändern. Im Gegenteil: die Ehefrau, die ihren Mann anders haben möchte, macht es mit dem Erwartungsdruck nur noch schlimmer. Letztlich, so lehren sie, kann nur der Mensch selbst sich verändern, sein Willensschritt ist entscheidend für den inneren Fortschritt. Einsicht und Veränderungswille müssen gemeinsam ziehen.

Und nun legt Paulus hier Zeugnis von einer Änderung ab, die er als von außen an ihn herangetragen beschreibt. Als Geschenk, vielleicht sogar als Zumutung in tiefen Doppelsinn des Wortes.

Mir gefällt an diesem Text, daß Paulus nicht eine allgemeine theologische Lehre von sich gibt, wenn er sagt, daß Jesus gekommen sei, um Sünder zu retten; sondern daß er von Selbsterlebtem spricht. Er spricht aus dem Herzen, er spricht mit der Erfahrung des durchs Schicksal Gereiften. Und vielleicht liegt die Kraft der Veränderung tatsächlich in der Erfahrung. Der vorangegangene Schmerz macht seine Worte authentisch und glaubwürdig. Es heißt ja, daß wir Menschen nur durch Schmerzen lernen können. Doch hier nennt Paulus den Hintergrund und die Ursache dieses Zwanges zum Umdenken Gottes Liebe. Das ist erstaunlich. Denn Damaskus war für ihn ein schmerzhafter Einschnitt. Doch ich denke, daß einen so harten Werkstoff im Leben, wie unsere Persönlichkeit es ist, nur die Liebe noch einmal weich zum neuen Formen machen kann.

Es ist also eine Glaubensaussage, wenn jemand hinter dem verändernden Schicksalsschlag die Liebe Gottes zu erkennen vermag.

So, wie sie ihn betrifft, kann sie auch mich betreffen. Hoffentlich vermag auch ich Gottes Liebe dann dahinter zu erkennen. 

Billiger ist eine derartige Veränderung wohl nicht zu haben.

Es geht Paulus um nicht weniger als die Wahrheit. Die Wahrheit seines Lebens. 

Was Paulus widerfahren ist – biographisch wird es mit dem sogenannten Damaskuserlebnis beschrieben – ist eine völlige Veränderung seines Wertesystems. Er hat an sich selbst die Geduld Gottes erfahren. Das beharrliche Vertrauen in ihn. Das hat ihn erschüttert. Sein Wertesystem auf den Kopf gestellt. Gerechtigkeit kommt nicht vom Menschen, ist nicht meine Leistung – sie wird umgekehrt mir zugesprochen. Diese Einsicht macht Damaskus zum Reformationstag des Apostels Paulus.

Jede Begegnung mit Gott ist eine heilsame Unterbrechung unserer Lebenszusammenhänge. Was uns bisher so selbstverständlich erschien, sehen wir dann anders.

Paulus´persönliche Entscheidungen fallen hernach anders aus.

Wie er, werden auch wir sie neuüberlegt begründen müssen. Viele überlieferte Antworten erscheinen uns dann zu schal. Traditionen sind abgebrochen und ungültig. Neue Antworten müssen her.

Für Paulus war das nicht leicht. Hatte er sich doch in seinem Saulus-leben die Autorisierung direkt vom Hohenpriester geholt. Schriftlich. Das war etwas zum Vorzeigen.

Und nun ist ihm der Auferstandene erschienen. Den kann er niemandem vorzeigen. Er muß aus sich heraus glaubwürdig sein und schlimmstenfalls auch mit den Konsequenzen, die er zu tragen hat, vor sich allein bestehen können.

Denn auf dem Gipfel der Wahrheit weht einsam-eisige Höhenluft.

Und hier wird sie geprüft wie Gold. Woher hast du die Berechtigung, so etwas zu sagen. Jesus wurde genauso gefragt: Woher nimmst du die Vollmacht?

Menschen, die so leben, machen anderen Angst. Machen denen Angst, die gewohnt sind, die Begründungen ihres Tun und Lassens, die Muster ihrer Gedanken der Tradition zu entnehmen, dem, was man eben so tut, dem, was alle tun.

Selbständiges Denken und Verantworten, christliches Leben ist ohne solchen Reifungsprozess nicht zu haben. Am Ende steht immer eine Persönlichkeit mit natürlicher Autorität. 

Und das Samenkorn für dieses Wachstum ist das in den Menschen gesetzte Vertrauen.

Amen.

Kirche unterwegs

Ansprache anlässlich der Andacht

wandernde Synodale

12. Juni 2021, Grünhaus

Hier ist mein Heimatrevier. Wenn Sie sich umschauen, dann bin ich hier überall schon mit meiner Frau und unserem Hund spazieren gegangen. 

Oft schon hat sich dabei zu Beginn unserer Gänge folgender Disput ereignet. „Lass uns heute mal einen neuen Weg ausprobieren, eine Verbindung, die wir noch nie gegangen sind!“ 

„Du weißt, Hunde sind Gewohnheitstiere, für sie ist es am besten, wenn sie die Strecke kennen“ 

„Ich selbst fühle mich aber lebendiger, wenn ich etwas erforschen, etwas neues entdecken kann“ 

„Wir gehen jetzt den und den Weg, da wissen wir, wie lange er dauert, ich muss dann und dann auf der Arbeit sein“.

Und damit ist die Entscheidung einmal mehr gefallen. Wer jetzt welchen Part zu sprechen pflegt, diese Einschätzung überlasse ich Ihnen.

Auch als Kirche sind wir unterwegs. Heute physisch. Aber mit unserem synodalen Auftrag im geistlichen Sinn. Sind wir mehr die Gewohnheitstiere oder die Experimentierfreudigen? Ist der klassische Gottesdienst und für uns als Protestanten darin wiederum die Predigt das Wichtigste oder wollen wir nachhaltig Jugend gewinnen, uns auf ihre Sprache und Methodik einlassen und probieren dementsprechend mit unseren Angeboten Neues aus?

Vielleicht beginnen wir mit unseren Vorhaben am besten nicht mitten auf dem Wege, sondern mit einer Packliste. Ich bin ein großer Freund von Packlisten. Mit jeder Reise ebenso wie mit jedem Buch über das Zielland verändert sich meine Packliste. Sie ist selbst so etwas wie ein Organismus, der sich optimiert.

Als Kirche unterwegs durch die Zeit hat sie sich und haben wir sie entwickelt. Aus den Trümmern protestantischen Bildersturms ist eine eigene Kultur der Musik erstanden. Ohne die Kompositionen von Johann Sebastian Bach (Trompete wird aus dem Rucksack gezogen) ließe sich evangelische Kirche heute ebenso wenig definieren, wie die Liedtexte Martin Luthers und Paul Gerhardts umgekehrt dem Glauben in den Sattel der Sprache geholfen haben.

Wenn unsere katholische Schwesterkirche neben die biblischen Fundamente ihre „Tradition“ als gleichgewichtig daneben stellt, so haben wir doch dieses Konvolut der Bekenntnisschriften (Bekenntnisschriften), welches für uns der Grundstein unseres Anspruchs und Selbstverständnisses ist.

Und dann haben wir noch den Kuchen. Jawohl den Kuchen als Zement unserer sozialen Zusammenkünfte (Coppenrath und Wiese – Karton). Den Kuchen der Frauenhilfe, den Kuchen anlässlich der Geburtstagsfeiern für unsere Senioren, den Kuchen für den geselligen Nachmittag und den fürs Gemeindefest. Er wird mit Kaffee angerührt und ist das Bindemittel für Gesprächskreise, Seniorenclubs und normaler Weise der Schlusspunkt des synodalen Mittagessens.

Diese drei mögen als Beispiele unseres alltäglichen und kulturell gewachsenen Gepäcks dienen. 

In herausfordernden Zeiten wie diesen stellt sich die Frage nach dem Wesentlichen. Es geht darum, leichtes Gepäck in schweren Zeiten zu schultern.

Genügt in Übergangszeiten nicht so ein kleiner Rucksack? (kleiner Rucksack)

Hinein gehört etwas, das uns stärkt (Kelch)

hinein gehört ein Hilfsmittel zur Orientierung (Bibel und Landkarte)

hinein gehört das Wort, das als Rückmeldung, als dialogischer Prozess unsere Gemeinschaft lebendig macht (Handy).

Orientierung, Stärkung und Dialog auf Augenhöhe,

diese drei möchte ich uns heute als mögliche Stichpunkte mit auf den Weg geben, wenn wir über Kirche vor, in und nach der Pandemie nachdenken. Wenn wir darüber sprechen, was Kirche ausmacht.

Vielleicht mögen Sie dieses leichte Gepäck schultern und es unterwegs als nützlich empfinden.

Vielleicht aber geht es Ihnen wie mir auf meinen Reisen, dass die Packliste sich evolutionär verändert. Wir werden es hören. In diesem Sinne gute Gespräche. Amen

Aufrecht vor ihrem Schöpfer

Traueransprache für Erika Ottmann

über

1. Mose 16, 13

Du bist ein Gott, der mich sieht

04.06.2021 Schweich

Ein Gott, der mich sieht, ist ein Gott, der mich wahrnimmt. Meine Bemühungen, meine Bedenken, meine Spielereien, mein Sorgen.

In diesem Vertrauen lebte Erika Alwine ihr Leben. Dieses begann am 24. November 1929 in Bad Ems. In der Mitte einer lebendigen Kinderschar wurde sie groß. Drei Schwestern hatte sie zur Seite und zwei Brüder.

Von beiden Eltern nahm sie Wesentliches in ihr Leben auf. Vom Vater kam die Lust, Dinge wachsen zu sehen und groß zu ziehen. Er war Gärtner.

Die Mutter verdiente ihr Geld als Lehrerin für Schreibmaschine und Stenographie. Ich erinnere mich noch an Rhythmus und Disziplin, die beim Maschineschreiben Lernen unabdingbar sind. J-a-f-f-a, die ersten drei Buchstaben mit drei unterschiedlichen Fingern. Immer schön blind, und immer wieder, bis die Fingerposition sitzt und der Griff internalisiert ist. Von der Mutter also hatte sie den Sinn für Methode und ihre stringente Art.

Früh wusste Erika, was sie werden wollte. Das mag als Fingerzeig gelten für die Besonderheit ihrer Haltung. Gespeist war diese vom Vertrauen, dass der Weg, den sie geht, der richtige sei. Zunächst zeigte er sich in der Konsequenz, mit der sie ihr Ziel ansteuerte. Sie mag dabei vom Vater, insbesondere einer Mutter, die selbst schon berufstätig war, unterstützt worden sein.

Wir loben, was sie auf sich zu nehmen bereit war, um direkt nach dem Krieg den Beruf der Volksschullehrerin zu erlangen. Dazu musste sie ins Internat, das Haus verlassen und in Montabaur ihr Abitur machen. Das hatte sie 1947 in der Tasche und nahm das avisierte Studium an der Pädagogischen Hochschule in Worms auf.

Ein wesentlicher Zug von Erikas Persönlichkeit ist damit bereits gezeichnet. Ihr klare Zielvorstellung und der Wille, dieses auch zu erreichen.

Man darf sie eine emanzipierte Frau nennen. Während die eine Schwester zunächst im väterlichen Betrieb blieb, die andere in die Fußstapfen der Mutter trat und die dritte, den für Frauen bereits geebneten Weg als Krankenschwester ging, scheute sich Erika nicht, zur kleinen Schar der Frauen inmitten der Lehrerschaft zu stoßen. Ein Bruder war leider im Krieg gefallen, der andere übernahm die väterliche Gärtnerei.

Frau Krisam, Sie haben Fräulein Stüber selbst als Unterrichtende erlebt und können bezeugen, welche Autorität von ihr ausging, dass ihr daran gelegen war, dass die Kinder schnell und konsequent mit dem Stoff vertraut gemacht wurden. Die Schülerinnen und Schüler hatten Respekt vor ihr. Das mag schon in Nisterberg an der Volksschule so gewesen sein, wo sie morgens mit dem Fahrrad von ihrem bitterkalten möblierten Zimmer in Friedeberg aus hinradelte. Das war sicher nach dem Referendariat in Wissen so und es war gewiss ab 1953 in Betzdorf an der Martin-Luther-Schule so, wo die Schicksalswege sie zusammen führten.

Wäre das Profil nicht schon klar gezeichnet, so wäre der endgültige Beweis ihrer Einstellung die Bedingung, unter der sie  Ernst Ottmann heiratete: Ich bin und bleibe berufstätig, legte sie vor der Ehe mit ihm fest.

So geschah es. Auch nach der Zeit, als das gemeinsame Kind der Eheleute, Rolf 1964 geboren war, blieb sie dem Schuldienst treu.

Dass sowohl Kompetenz als auch Konsequenz nicht unentdeckt blieben, darüber legt Zeugnis ab, das sie für den Stab des Schroedel-Verlags auserkoren wurde, ein Lehrbuch über die Mengenlehre mitzuentwickeln.

Mit 63 Jahren, also 1992 ging sie in den Ruhestand. Was nicht bedeutete, dass sie die Freude an der Auseinandersetzung mit der Welt an diesem Tag verloren hätte. Genau so wie sie sich von Gott wahrgenommen glaubte, genau so sah sie auch mit Interesse auf ihre Umwelt, auf die politischen Geschehen, beschäftigte sich weiter mit Kultur und Politik und blieb auf dem neusten Stand.

Sie vernachlässigte bei aller Geistigkeit ihr Aussehen nicht. Gerade der Frisur maß sie hohe Bedeutung zu. Sie wissen, dass es nicht die langen femininen Haare waren, sondern dass sie sportlichen, vielleicht sogar maskulin-kurzen Schopf bevorzugte.

Ihre gestrenge Art wurde in der nächsten Lebensphase nun weicher. Mit dem Ausfliegen der Kinder hatte sie das erreicht, was sie für ihre Aufgabe hielt, den Kindern Selbstständigkeit zu vermitteln. Nun wurde sie nahbarer, einladender. Sie besuchte ihrerseits den Nachwuchs, kam zu wichtigen Anlässen und blieb auch gern einige Tage. 

Sie scheute keine Strecke. Kaufte sich gar mit 74 ein neues Auto und fuhr allein damit in den Urlaub an den Tegernsee.

Noch einmal intensiver wurde die Mutter-Kind-Beziehung als ihr Mann gestorben war. Auch dies ein Indiz für die strukturierte Festlegung ihrer inneren Prioritäten.

Sie sah den Menschen und sie sah ihre Aufgaben, genau so eben, wie sie an einen Gott glaubte, der sie, ihren Lebensweg sah und der mit seiner Wahrnehmung auch Verantwortung und Fürsorge verbindet.

Darum gab es auch das andere Gesicht von Erika. Die Seite, die annehmen konnte. Dazu gehört auch der Garten, in dem sie sitzen, die Blüten genießen und dem Gesang der Vögel lauschen konnte. Sie musst nicht nur geben, sie konnte auch dankbar nehmen, was man ihr bot.

Dankbar war sie auch für Hilfe im Alter, Angebote, Besuche, gemeinsam verbrachte Zeit.

Wir selbst dürfen dankbar sein für diese Seite von ihr. Diese spielte besonders in den letzten Jahren, und hier noch einmal in der Zeit ab ihrem 90. Geburtstag eine Rolle, als die Einschränkungen wahrnehmbarer wurden und als sie schließlich im August 2020 nach Schweich ziehen musste. 

Am 25. Mai ist sie nun gestorben.

Für uns heißt es, sie Gott zurück zu geben. Einem Gott, der ihr Leben kennt. Und genau das ermutigt und tröstet uns. Denn jeder Mensch ist ein guter Gedanke Gottes. Als solcher bleiben wir, die Sterblichem, vor ihm, dem Ewigen lebendig!

In dieser Gewissheit nehmen wir Abschied von Fräulein Stüber, von Frau Ottmann, von Ihrer Mutter und Oma, Ihrer Schwiegermutter.

Amen